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22. Juli 2014: Akureyri (Island)

Unser letzter Tag auf Island ist gekommen – aber der hat es noch mal in sich.

Nach dem üblichen Aufwachen zur Sonnenaufgangszeit (irgendwann so gegen 3.00 Uhr) und dem nochmaligen Umdrehen weckt mich mein Wecker um 6.30 Uhr. Den hatte ich mal vorsorglich gestellt, da wir heute bereits um 8.00 Uhr in Akureyri anlegen werden – und ich dann gleich zu meinem Ausflug mit FAB Travel muss. Und da ich vorher zumindest noch mal kurz ins Bad und eine Kleinigkeit frühstücken will, ist heute halt mal frühes Aufstehen angesagt.

Doch zumindest das mit dem Frühstücken ist leichter gesagt als getan. Um diese Zeit hat nämlich lediglich das Calypso offen – und gefühlt sind da jetzt alle 1.200 Passagiere drin. Also warte ich notgedrungen bis um 7.30 Uhr das Marktrestaurant aufmacht – aber eine halbe Stunde sollte ja reichen …

Dummerweise sind im Calypso wohl doch nur 600 Passagiere gewesen – die anderen 600 treffe ich jetzt im Marktrestaurant. Und ich habe mich noch nicht richtig hingesetzt und meinen Kaffee eingegossen, da begrüßt uns der Kapitän mit der Durchsage, dass die Cara jetzt an der Pier festgemacht habe und auch die Behörden das Schiff schon freigegeben hätten. Er wünscht uns noch einen schönen Tag in Akureyri – und ich bin gerade erst dabei, mein erstes Brötchen zu essen.

Super – das war ja eigentlich anders gedacht. Also esse ich schnell auf, schütte noch den Kaffee hinterher und nehme beim Rausgehen noch ein Croissant und eine Banane mit – das muss dann heute halt mal reichen.

Vor dem Schiff treffe ich schon auf einen Teil derjenigen, die auch vorgestern in Reykjavik den Ausflug mit FAB Travel mitgemacht haben – scheint also potenziell die gleiche Truppe zu werden. Und wird es auch – kurz darauf kommt nämlich ein Kleinbus von FAB Travel vorgefahren, dessen Fahrer uns verrät, dass wir wieder die Gruppe von vorgestern sind, allerdings heute noch sechs Personen dazu kommen, die gleich noch vom Schiff der American Holland Line dazu steigen. Das Schiff hat ja gestern in Isafjördur schon mit uns auf Reede gelegen und ist uns dann heute Nacht bis hierher gefolgt.

Wobei wir mit insgesamt 16 Personen ja immer noch eine überschaubare Gruppe – allerdings durch die gemischte Zusammensetzung nun mehrsprachig – sind. Mal schauen, wie das gelöst wird.

Und das ist ganz einfach – mit Englisch. Unsere eigentlich gebuchte deutschsprachige Reiseleiterin ist wohl kurzfristig erkrankt, so dass wir mit einem litauischen Praktikanten vorlieb nehmen müssen. Und der spricht halt nun mal nur Englisch. Was für die Mehrzahl der Passagiere nicht weiter schlimm ist, für den einen oder anderen, der dieser Sprache nun mal aber nicht mächtig ist, aber schon eine echte Beeinträchtigung darstellt. Und aufgrund der Fülle der Informationen, die wir hier übermittelt bekommen, ist es auch schwierig, das alles simultan zu übersetzen.

Ist jetzt allerdings ja nicht zu ändern – also fahren wir gegen 8.30 Uhr los in Richtung unseres ersten Stopps, dem Wasserfall Godafoss. Die knapp 40-minütige Fahrt wird dabei nur durch einen kleinen Fotostopp unterbrochen, von wo wir einen schönen Blick auf die AIDAcara im Hafen haben.

Das Wetter lässt dabei im Übrigen auch noch zu wünschen übrig. Es ist wolkenverhangen, die Berge sind teilweise im Nebel nicht bzw. nur teilweise zu erkennen – und die Temperaturen sind mit rund 10°C auch noch etwas von den erwarteten Höchsttemperaturen von 19°C entfernt. Wollen wir mal hoffen, dass sich das noch ändert – immerhin wollen wir ja nach dem Mittag noch ins Naturbad Jardbodin gehen.

Doch vorher geht es jetzt erst einmal an den Godafoss – den Wasserfall der Götter, der zu den schönsten Wasserfällen Islands zählt. Und während wir vorgestern ja schon den Goldenen Wasserfall gesehen haben fällt dieser doch durch seine größere Fallhöhe auf. Und durch die Möglichkeit, beim Vortasten an den Rand von glitschigen Steinen abzurutschen und dabei nass zu werden. Was im Übrigen auch einige schaffen 😉

Man kann aber durchaus auch aus sicherer Position vernünftige Fotos machen – Selbstüberschätzung ist hier also fehl am Platz. Rund 20 Minuten bleiben wir hier bevor es weiter geht zu unserem nächsten Ziel, dem Myvatn.

Eine knappe halbe Stunde später kommen wir an – und werden schon beim Aussteigen von Mücken überrascht. Obwohl wir ja wussten, dass es welche gibt, haben wir mit den Schwärmen doch erst später gerechnet. Jetzt wissen wir aber immerhin schon mal, dass es auch hier welche gibt. Und die treten in Rudeln (oder bei Mücken ja wohl eher Schwärme genannt) auf – teilweise so intensiv, dass das wie eine kleine Wolke am Himmel aussieht.

Wobei man gleich einschränkend sagen muss, dass die Viecher nix tun – also weder beißen noch stechen noch sonst was. Naja, sonst was eigentlich schon – sie fliegen gern in Körperöffnungen. Und zwar in alle die sie so finden, also insbesondere in Mund, Nase, Augen und Ohren. Und das ist dann doch schon ein bisschen lästig – die letzten werde ich dann später beim Naseputzen finden …

Allerdings hält sich das Aufkommen der Mücken hier durchaus in Grenzen – ab und zu muss man mal durch so ein Wölkchen durch … aber das ist überschaubar. Das Ganze fällt also eher in die Kategorie „lästig“ – nicht mehr und nicht weniger. Berichten im Internet zu Folge kann das noch wesentlich schlimmer sein – da färben sie dann durchaus ein buntes Auto auch mal schwarz …

Aber jetzt schauen wir uns erst mal hier um. Aufgrund vulkanischer Bewegungen sind hier unzählige Krater und Seen entstanden, die heute eine recht bizarre Landschaft abgeben. Mit Gras, Moos und Flechten bewachsen gleichen sie aus der Entfernung eher einem Golfplatz …

Wir durchwandern das Gebiet in einer knappen halben Stunde bevor es – nach einer kurzen biologischen Pause in einem nahegelegenen Hotel – wieder on the road geht. Apropos „on the road“ – wir befahren hier die Straße Nummer 1, das ist hier so etwas wie der Highway Islands. Und das muss man sich eher so vorstellen wie eine einfache Kreisstraße bei uns.

Ach ja, bevor wir losfahren, verteilt unser Reiseleiter noch kleine Büchlein über die Myvatn-Gegend – in Deutsch. Die hat er während des Stopps in einem Souvenirshop gekauft – als kleine Entschädigung dafür, dass das mit der deutschen Reiseleiterin nicht geklappt hat. Finde ich eine nette Geste …

Vulkane, Krater und Lava bestimmen dann auch unser nächstes Ziel. Wir sind jetzt am einzigen Lavalabyrinth dieser Art außerhalb von Mexiko, Dimmuborgir, angekommen – und sind von der Größe angetan. Wohl wissend, dass der ganze Bereich irgendwann mal mit Lava gefüllt war und heute aus unzähligen Phantasiegestalten besteht, machen wir uns auf den Weg zu einem rund halbstündigen Rundweg durch das Gelände.

Und wir sind jetzt gerade mal fünf Minuten unterwegs als es anfängt zu regnen. Eigentlich kein Problem – wenn nicht meine komplette Regenausrüstung im Rucksack wäre. Denn der steht im Bus. Und so habe ich zwar theoretisch sechs verschiedene Sachen dabei, die vor Regen schützen würden (Hut, Basecap, Strickmütze, Jacke mit Kapuze, Regenschirm und Regenumhang) und werde praktisch dann halt doch nass. Super – wieder was gelernt: Regensachen nicht nur einpacken sondern auch mitnehmen.

Und es kommt wie es kommen muss: kurz bevor wir zurück an unserem Bus sind, hört der Regen auf. Das ist mal wieder Murphy vom feinsten heute …

Rund eine halbe Stunde später sind wir dann praktisch am Ziel unserer Reise – Namaskard. Oder auch „Lunar Landscape“ (Mondlandschaft) genannt. Im absoluten Gegensatz zu grün bewachsenen Kratern zu Beginn unserer Rundfahrt und dem Lavagestein gerade eben sind wir jetzt in einer kargen Landschaft gelandet, die nur als Sand und Gestein besteht – und aus kleinen Kratern, in denen Schlamm in bunten Farben vor sich hin blubbert.

Absolut beeindruckend … und mit Worten kaum zu beschreiben. Ich probiere es trotzdem einmal: man stelle sich eine große Fläche aus Sand und Stein vor, die von großen Bergen eingerahmt wird. Sämtliche Brauntöne der Farbskala sind hier vertreten – und unterbrochen wird das Ganze von kleinen kraterähnlichen Löchern mit einem Durchmesser zwischen 50 cm und 3 Metern, in denen unterschiedliche Flüssigkeiten vor sich hin blubbern. Manche sind klar, andere sind blau gefärbt. Und die Warnschilder am Eingang mit der Geysirabbildung und der Temperaturangabe „80 – 100°C“ erklären auch das Blubbern. Also am besten mal nicht reinfassen … 😉

Wir haben übrigens Glück: bis vorgestern ist hier ein Eintritt von rund 1.000 Kronen fällig gewesen (etwa 6 €). Das hat der isländischen Regierung, die einen freien Zugang zu allen Naturwundern anstrebt, allerdings nicht so wirklich gut gefallen. Und so hat der örtliche Sheriff vorgestern einfach mal Tatsachen geschaffen und die Umzäunung neben der Einlassschranke entfernt. Jetzt ist der Zutritt wieder kostenfrei … 😉

Ach ja, kurz mal ein Hinweis zum Wetter: wie von meiner Wetter-App vorhergesagt, sind die Wolken inzwischen der Sonne gewichen – und auch die 19°C sind nicht ganz unrealistisch … so macht das durchaus mehr Spaß hier.

Eine halbe Stunde haben wir hier jetzt Auslauf – und den braucht es auch. Ist doch in jedem Krater etwas anderes zu entdecken.

Und zu entdecken gibt es noch mehr. Und zwar fünf Minuten von hier entfernt – Jardbodin. Das Naturbad, ähnlich der Blauen Lagune (die man von Reykjavik aus erreichen kann), nur etwas kleiner (und billiger), ist unser nächstes Ziel. Und diese Naturbäder sind ja nun einmal ein wesentlicher Bestandteil Islands. Und von daher muss man da auch mal drin gewesen sein.

Etwas mehr als eine Stunde haben wir Zeit, uns als Teil der isländischen Natur zu betrachten. 3.500 Kronen später (rund 21 €) bin ich auch schon drin. Erste Station nach der Kasse sind die Schuhregale. Hier zieht man – wie übrigens in allen privaten Haushalten Islands auch – als erstes die Schuhe aus und stellt sie ins Regal. Und wenn ich mir meine Schuhe nach dem Vormittag so anschaue: mit Recht. An dieser Stelle passt übrigens der Hinweis, dass außer Badekleidung und Handtuch auch Badeschlappen in den Rucksack gehören …

Danach geht es weiter in den (geschlechtergetrennten) Umkleidebereich. Der ist gestaltet wie eine Sammelumkleide in unseren Schwimmbädern auch – ein großer Raum, viele Spinde (die auch groß genug sind, um einen großen Rucksack aufzunehmen) und Sitzbänke davor.

Wobei man sich im Prinzip hier eigentlich nicht um- sondern nur auszieht. Vor dem Anlegen der Badekleidung ist nämlich erst einmal eine gründliche „Körperreinigung“ mit Wasser und Seife vorgesehen. Und ein großes Plakat weist zum einen darauf hin, dass das ohne Badebekleidung erfolgt und zeigt zum anderen auch die Körperstellen auf, an denen das zu geschehen hat. Und ohne ins Detail zu gehen – eigentlich ist jedem von uns klar, welche das genau sind.

An dieser Stelle kommt dann übrigens der eine oder andere dann doch ein bisschen ins Straucheln – nacktes Duschen in der Öffentlichkeit ist offensichtlich nicht jedermanns Sache. Hilft hier aber nichts -die „soziale Kontrolle“ durch die anwesenden Isländer funktioniert recht gut … und die wollen halt nicht in dreckigem Wasser baden.

Ach ja, der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es auch zwei Duschen gibt, die mittels Vorhang abtrennbar wären – allerdings kommt da wohl nur kochend heißes Wasser aus dem Duschkopf, so dass diese nicht wirklich benutzbar sind. Außer man will mal das Feeling erleben, das ein Hummer hat, bevor es vor dem Farewell Dinner ab in den Topf geht.

Bis auf einen (der hat die 3.500 Kronen jetzt halt nur fürs Schuheaus- und wiederanziehen bezahlt) sind wir jetzt alle durch und auf dem Weg ins warme Nass. Zwischen 38°C und 44°C warm ist das Naturbad – je nachdem an welcher Stelle man sich im Wasser befindet. Und es fühlt sich so ein bisschen an, als ob man in einer Seifenlauge baden würde. Tut man natürlich nicht – das Gefühl ist dem hohen Schwefelgehalt geschuldet. Und der wiederum macht die Haut glatt – glatt wie ein Kinderpopo … OK, wie ein ziemlich behaarter Kinderpopo.

Ach ja, das macht noch was … und zwar Silber schwarz. Wer also Silberschmuck trägt, sollte den vorher tunlichst ausziehen – oder sich damit abfinden, dass z.B. ein Anker an einer Halskette nach dem Bad schwarz ist (was bei einem Anker ja glücklicherweise noch geht …). Aber gut, ist ja trotzdem noch Silber – man sieht es halt nur nicht mehr.

Nach einer Dreiviertelstunde ist dann aber schon wieder alles vorbei – jetzt geht das Ganze rückwärts in der Dusche und der Umkleide. Wobei jetzt jeder irgendwie das Gefühl hat, dass es gut wäre, mal ausgiebig zu duschen. Ist es zwar wahrscheinlich gar nicht – aber das Gefühl nach dem „Seifenbad“ drängt sich auf.

Für die nasse Badehose gibt es hier noch eine kleine Schleuder, so dass das Teil halbwegs trocken eingepackt werden kann – und dann geht es auch schon wieder zu unserem Bus. Ach ja, dieser Stopp hätte dann auch die Möglichkeit geboten, im angegliederten Restaurant eine Kleinigkeit zu essen. Hätte – denn was soll man denn in 60 Minuten noch alles machen …

Und so haben dann nur die gegessen, die nicht im Naturbad waren – und umgekehrt 😉 Aber gut, es sind ja nur noch zwei Stunden bis zum Schiff – das muss heute dann halt mal ohne Mittagessen gehen – und irgendwo im Rucksack finden sich bestimmt noch ein paar Oreos …

Stimmt, da sind noch welche … und während die jetzt erst einmal im Harald verschwinden, geht es parallel zurück nach Akureyri. Und so kommen wir rund 1 ½ Stunden später wieder am Ausgangsort unseres Ausflugs an. Hier machen wir noch eine kleine Stadtrundfahrt bevor wir dann gegen 15.15 Uhr just in time zur Cara zurückkommen. Um 15.30 Uhr heißt es „Alle Mann an Bord“ – aber noch stehen Hunderte vor der Gangway. Irgendwie scheinen die Ausflüge alle gleichzeitig zurückgekommen zu sein – und noch sind nicht mal alle da. Mal schauen, ob das mit dem Auslaufen um 16.00 Uhr klappt …

Zumindest sind wir rechtzeitig an Bord – eine knappe halbe Stunde Wartezeit müssen wir aber schon in Kauf nehmen. Aber gut, bei gerade mal acht Stunden Liegezeit ist das wohl nicht zu vermeiden. Ach ja, Anmerkung am Rande für diejenigen, die meinen Reisebericht von der Mein Schiff 3 von letzter Woche gelesen haben: auf AIDA muss ich bei der Eingangskontrolle meinen Gürtel regelmäßig ausziehen – und dann piepst da auch nix …

Ich mache mich jetzt auf den Weg in meine Kabine – will ich doch das Auslaufen aus der Sauna beobachten … da ist es wärmer als draußen. In meiner Kabine werde ich dann von einer Einladung überrascht – man möchte die „Grünen“ morgen um 15.30 Uhr auf dem Volleyballfeld treffen. Na, hoffentlich nicht zu einem Volleyballspiel …

Ich wechsele also kurz die Kleidung, gehe in die Saunaumkleide, wechsele erneut die Kleidung (warum es auf der Cara nicht auf jeder Kabine einen Bademantel gibt sondern die nur im Saunabereich ausliegen, muss man ja auch irgendwie nicht verstehen) und mache mich dann auf den Weg in die Sauna zum Auslaufen.

Hätte auch gut geklappt, wenn es bei 16.00 Uhr geblieben wäre. Aber wie befürchtet, laufen wir erst etwas später aus – und da bin ich natürlich nicht mehr in der Sauna … aber vom FKK-Deck aus kann man sich das ja auch anschauen. Und da hört man sogar noch die Auslaufmusik …

Bis zum Abendessen ist ja nun noch etwas Zeit – von daher lege ich mich noch mal ein halbes Stündchen in meiner Kabine aufs Ohr – schließlich bin ich ja heute Morgen schon recht früh geweckt worden. Und werde erneut geweckt – um 19.15 Uhr ertönt eine „wichtige Durchsage von der Brücke“ in meiner Kabine: „Heute Nacht werden die Borduhren eine Stunde vorgestellt.“

Na dann … aber so langsam wird es ja in der Tat Zeit, mal wieder aufzustehen – sonst fällt das Abendessen auch noch aus. Und das wäre schade, gibt es doch heute „Mexiko“ im Calypso.

Und da gibt es in der Tat einige mexikanische Leckereien und – vor allem – da wo dransteht, dass da was Scharfes drin ist, da ist auch was Scharfes drin. Und nicht nur was gut Gewürztes. Das gefällt mir (aber zugegeben: manch einer ist auch erstaunt, wie scharf auf AIDA „scharf“ sein kann …)

Und als ich kurz vor 21.00 Uhr hier rausgehe, stelle ich noch fest, dass mindestens 80% der Leute im Restaurant nichts mehr essen sondern nur noch beim netten Gespräch (und kostenlosem Tischwein) zusammensitzen. Das will ich auch gar nicht kritisieren – warum auch, das hat ja jeder so gebucht und auch bezahlt – aber: bei TUI findet das aufgrund von Premium Alles Inklusive an den Bars statt. Und da ist es zum einen gemütlicher und zum anderen sind die Plätze in den Restaurants tendenziell eher wieder verfügbar.

Vielleicht sollte man bei AIDA – wenn man nicht irgendwann sowieso All-Inclusive einführt – zumindest mal darüber nachdenken, während der Essenszeiten Bier, Wein und Softdrinks auch an den Bars (oder zumindest der AIDA Bar) kostenfrei anzubieten – das würde die Situation in den Restaurants sicherlich entzerren. Ist aber nur so eine Idee …

Für mich geht es dann – mit einem kleinen Abstecher über die AIDA-Bar, wo es zwischen 20.00 und 21.00 Uhr in der Happy Hour ja zwei Ramazotti Sour zum Preis von einem gibt – ins Theater. Hier tritt heute unser Gastkünstler Thomas Nicolai auf. Das Theater ist randvoll, die Erwartungen hoch. Und er erfüllt diese – zumindest teilweise: manches ist gut, manches sogar richtig gut, vieles hat man aber auch schon mal gehört – vor 20 Jahren. Von daher – es ist nicht der Brüller gewesen, sondern eher nette Abendunterhaltung. Und das eine oder andere müssen die anwesenden Eltern nachher dann halt noch ihren Kindern erklären … 😉

Ich wechsele danach noch mal in die AIDA Bar, schreibe noch ein bisschen was auf und stelle fest, dass mein Webserver um Hilfe schreit: er hätte einen Virus. Super – das brauche ich im Urlaub ja wie Magen/Darm. 🙁

Zumal das bei der Geschwindigkeit dieser Internetverbindung auch nicht so trivial zu lösen ist … das geht ja nun hier doch sehr gemütlich zu. Und dann stelle ich auch noch fest, dass Port 21 hier im Schiffsnetz offensichtlich gesperrt ist (für die Nicht-Techniker: das ist der Standardport für FTP-Übertragungen – und für die Überhaupt-Nicht-Techniker: den brauche ich, um auf die Dateien auf meinem Webserver zugreifen zu können). Und ohne den kann ich hier nun gar nichts reparieren …

Aber zum Glück gibt es ja da noch einen Umweg – über mein VPN zu meinem Router zu Hause komme ich dann doch auf den Port (und wer das jetzt nicht verstanden hat: ist egal. Und wem es hilft: bitte sehr!), so dass ich die befallenen Dateien auf meiner Website austauschen kann. Und eine gute Stunde später ist alles wieder im Lot.

Naja, fast. Einer der Mitreisenden sieht mich an meinem Rechner sitzen und meine E-Mails lesen. Und kommt mir nahe … sehr nahe. Als er dann neben mir steht, schaut er interessiert auf meinen Bildschirm (und klappt den dabei noch etwas an): „Und, was machen Sie da Schönes?“

Ich bin ja im Urlaub hier. Und von daher noch entspannter als sonst. Viel entspannter. Aber davon hat er nichts gemerkt. Alles was Recht ist – geht’s noch? Und für den Fall, dass Sie zufällig diesen Bericht lesen und sich wieder erkennen: alles, was ich eben gerade gesagt habe, habe ich auch genau so gemeint!

Ich weiß nicht, was bei seiner Erziehung schief gegangen ist … scheint aber eine Menge zu sein.

Wie auch immer, ich bin jetzt wieder ruhig – ganz ruhig. Gehe auf meine Kabine, nehme die AIDA Heute für den morgigen Seetag von der Tür und stelle fest, dass dort als Zeit für den Sonnenuntergang aufgeführt ist: „Keiner bis zum 27. Juli“. Das wäre dann der erste Hinweis auf die Mitternachtssonne – vier Tage ist es dann ab morgen rund um die Uhr hell. Da bin ich echt mal gespannt drauf …

Aber heute geht die Sonne ja noch mal für rund vier Stunden unter – und von daher gehe ich dann auch langsam mal ins Bett. Ich lese noch ein bisschen – morgen ist ja der erste von zwei Seetagen auf der rund 1.800 km langen Strecke bis nach Spitzbergen – da haben wir ja keine Hektik …

Und von daher: Gute Nacht!

Weiter mit Tag 8: Seetag – auf dem Weg nach Spitzbergen

21. Juli 2014: Isafjördur (Island)

Es ist kurz vor fünf Uhr – da meldet sich meine innere Uhr. Und signalisiert: „Steh auf!“. Nach einem kurzen Zwiegespräch mit dem ebenfalls erwachten Gehirn führt das dann aber zu einem anderen Ergebnis: „Dreh‘ Dich nochmal um!“

Und genau das mache ich – und wache dann kurz vor sieben auf. Schon besser – und durchaus auch eine zum Aufstehen geeignete Zeit. Ich schaue mal ins Bad und gehe dann zum Frühstück zur Abwechslung mal ins Marktrestaurant. Mal schauen, wie das hier so ist. Und was soll ich sagen – genau so wie erwartet. 😉 Eigentlich fast noch besser als im Rossini, da ich mir hier meine Omelettezutaten selbst zusammenstelle – und dadurch den Käseanteil signifikant höher gestalten kann.

Lediglich das Paar an meinem Tisch stört ein bisschen … irgendwie haben die beiden sich darauf verständigt, alles schlecht finden zu müssen, was sie hier erleben. Das fängt damit an, dass der Kaffee auf dem Tisch angeblich kalt wäre (die Kanne hat mir der Kellner drei Minuten vorher hingestellt – und da war er heiß). Aber die Dame des Hauses probiert den Kaffee noch nicht einmal – allein dadurch, dass der schon auf dem Tisch steht als sie sich setzt, ist der kalt. Punkt. Ich versuche zwar zu erläutern, dass der Kaffee nicht kalt sein kann, gieße mir sogar noch (dampfenden) Kaffee nach – keine Chance. „Hallo!“ ruft sie dem nächstbesten Kellner zu – „Neuer Kaffee, der hier kalt.“ Jetzt weiß ich, wie fremdschämen geht …

Weiter geht es mit der Butter. Die ist zu hart. Zumindest ihr. Ihm ist sie zu weich. Und zu spät legen wir auch an – da hat man ja nichts mehr vom Tag. Ach ja, Tischabfalleimer gibt es nicht. Auf Costa gibt’s die aber. Wohin soll man hier dann nur mit der Butter-Alufolie? Nun, andere legen sie einfach auf den Tellerrand.

Wie auch immer … irgendwie scheine ich bei meiner Tischbesetzung immer Pech zu haben. Ich frage mich da echt, warum so jemand dann überhaupt noch mit AIDA unterwegs ist, wenn doch alles so schlecht ist. Da würde ich meinen Mitreisenden doch einen Gefallen tun, und mein Geld für etwas anderes ausgeben …

Ich verlasse daher die Szene, nicht ohne im Rausgehen noch zwei Pancakes mitzunehmen, und widme mich nun der Hafeneinfahrt in Isafjördur. Ähnlich wie ich das aus Norwegen kenne, gleiten wir sanft durch die Fjorde bis wir gegen 10.00 Uhr an der Pier festmachen. Und da zeigt sich wieder mal der Vorteil der kleineren Schiffen wie der Cara – wir passen direkt an die Pier während das nach uns ankommende Schiff der American Holland Line auf Reede liegen muss.

Wettermäßig haben wir heute übrigens ein bisschen weniger Glück als gestern. Es ist jetzt nicht unbedingt kalt (13°C), aber es regnet leicht. Aber gut, da müssen wir jetzt durch – und vielleicht ändert es sich ja auch noch … soll ja hier manchmal schnell gehen.

Und als wir dann kurz darauf zu unserem Ausflug zur Insel Vigur aufbrechen, ändert es sich tatsächlich: es regnet stärker. 😉 Ist aber halt nicht zu ändern – und, da wir jetzt sowieso erst mal eine gute halbe Stunde mit einem überdachten Ausflugsboot unterwegs sind, auch nicht so wirklich schlimm.

Wobei „Ausflugsboot“ der Begriff ist, den unser Scout verwendet – nachdem unser Kapitän mal ein paar Hebel nach vorn geschoben hat, bewegt sich da richtig was. „Speedboat“ ist wohl noch mal was anderes, aber das trifft es schon eher.

Aber kurz mal zurück – wo fahre ich jetzt eigentlich hin … und warum? Nun, dazu schreibt AIDA in der Ausflugsbroschüre: „ca. 40 min Bootsfahrt zur Vogelinsel Vigur; ca. 2 h Aufenthalt mit Rundgang über die Insel, auf der Eiderenten, Papageientaucher und Küstenseeschwalben leben; Besuch der einzigen Siedlung auf der Insel mit dem kleinsten Postamt und Islands einziger Windmühle, kurze Kaffeepause im Bauernhof Viktoria; per Boot zurück“ nach Isafjördur„.

Und da sich so gut angehört hat, hatte ich den seinerzeit schon zu Hause gebucht. Und das war auch gut so – der Ausflug ist nämlich lange vor der Reise komplett ausgebucht gewesen. Und selbst ein für den Nachmittag kurzfristig zusätzlich gechartertes Boot war binnen weniger Stunden gefüllt.

Doch zurück auf unser Boot. Nach einer guten halben Stunde zwischen schneebedeckten Bergen und Gletschern legen wir jetzt auf Vigur an. Und werden direkt am Anleger von drei Papageientauchern empfangen, die auf einem Felsen auf uns warten.

Sehr schön – und auch wenn der Regen nicht wirklich abnimmt, ist das schon ein schöner Start auf der Insel. Und der wird noch besser: hunderte, nein, tausende Seeschwalben und Eiderenten flattern herum, ziehen ihre Kreise – und beschützen ihre Brut.

Denn während wir hier die einzige noch existierende Windmühle Islands betrachten, werden wir mit unserer „Ausrüstung“ für den Tag ausgestattet: etwa einen Meter lange Holzlatten mit blauen Fähnchen am oberen Ende. Und die sollen wir jetzt immer schön nach oben halten während wir entlang der Küste gehen.

Warum das so ist? Nun, schauen wir mal bei Wikitravel nach: „An der Küste sollte man bei Angriffen von Möwen und Seeschwalben in deren Revier nicht in Panik geraten. Ein hochgehaltener Gegenstand (Stock o.ä.) lenkt sie angeblich vom sonst höchsten Punkt des Menschen (Kopf) ab. Ein geordneter Rückzug beim ersten Scheinangriff (der meistens ziemlich knapp über den Kopf geht) ist ratsam.

Ah, jetzt ja. Und wenige Minuten später weiß ich auch, dass das nicht nur Theorie ist – sondern auch in der Natur funktioniert. Offensichtlich haben die Vögel auch mal bei Wikitravel nachgelesen – zumindest passiert genau das, was da steht. Die Vögel finden unser Interesse für sie (und natürlich ihre Brut) nicht so wahnsinnig witzig, so dass sie uns signalisieren, dass sie nichts dagegen hätten, wenn wir wieder zurück fahren würden.

Ich bin ja zunächst ein bisschen skeptisch, ob es nicht besser wäre, die Vögel hier und jetzt ganz in Ruhe zu lassen, werde aber von dem örtlichen Vogelführer eines Besseren belehrt – die Vögel würden dadurch keinen Schaden nehmen; das wäre ein ganz natürliches Verhalten, das sie auch bei anderen „Angreifern“ regelmäßig an den Tag legen würden und was keinen negativen Einfluss auf sie hätte.

Na dann, ich bin beruhigt. Und gebe mich ganz dem Fotografieren der Tiere hin. Wobei ich zugegebenermaßen auch heute wieder regelmäßig an Hitchcock’s „Die Vögel“ denken muss. Die hatten damals aber keine Stöcke – glaube ich. Das wird der Unterschied gewesen sein … 😉

Nach einer knappen Stunde, die wir über die Insel gehen, erreichen wir einige bunte Holzhäuser. Ein zu einem Restaurant umgebauter Kuhstall (riecht man noch), in dem wir jetzt ein Stückchen Kuchen und eine Tasse Kaffee angeboten bekommen und ein Postamt. Und zwar nicht irgendeins: sondern das kleinste Islands.

Da ich jetzt nicht wirklich Bedarf an Postdienstleistungen habe (und die meisten anderen auch nicht), gehen wir so langsam in Richtung Boot, um den Rückweg anzutreten. Zwischenzeitlich sind damit die Ausflügler der American Holland Line auf die Insel gefahren worden (und zumindest einer Dame scheint die Fahrt nicht so richtig bekommen zu sein, füttert sie doch direkt nach dem Anlegen die Vögel), so dass es hier auch langsam voll wird – und so treten wir dann den empfohlenen „geordneten Rückzug“ an.

Und sind eine gute halbe Stunde später wieder zurück auf der Cara. Der Regen ist inzwischen auch vorbei und an wenigen Stellen sind kleine blaue Flecken am Himmel erkennbar. Wenn meine Wetter-App Recht behält, haben wir zum Auslaufen dann schönsten Sonnenschein.

Bis es aber soweit ist, gehe ich schnell mal ins Calypso und esse eine Kleinigkeit (wirklich!), um danach in der AIDA Bar mein „Ship Office“ einzurichten und mal ein kleines bisschen was zu arbeiten. Und natürlich das hier aufzuschreiben – bevor da noch was vergessen geht. Unterstützt werde ich dabei von dem Drink des Tages, einmal mit und einmal ohne Alkohol (und an dieser Stelle noch mal ein Dankeschön an den Spender).

Bis zum Abendessen bleibt aber trotzdem noch ein bisschen Zeit, so dass ich noch ein bisschen im Saunabereich lese und den 5-nach-5-Aufguss mitmache. Wobei auch der eher zu wünschen übrig lässt – unsere „Aufgießerin“ macht das Ganze ziemlich ernst und vermittelt auch nicht den Eindruck, dass sie es gut fände, wenn jetzt einer spricht oder gar lacht. Macht dann halt auch keiner … schade, das habe ich schon besser erlebt.

Ich gehe danach daher zunächst mal auf meine Kabine, hole meinen Foto und mache einige Bilder beim Auslaufen aus Isafjördur, währenddessen dann tatsächlich die Sonne scheint. Und da das Wetter auch morgen in Akureyri so sein soll (da zeigt meine App sogar 19°C an!), steht einem schönen Ausflug zum Myvatn („Mückensee“) morgen ja dann hoffentlich nichts im Wege.

Naja, doch. Das Abendessen. Und da gibt es heute „Karibik“ und „Zarewitsch“. Und da fällt mir natürlich sofort die hervorragende Soljanka ein, die ich seinerzeit mal auf der Aura hatte. Und von daher ist das russische Essen im Marktrestaurant gesetzt.

Und siehe da – es gibt Soljanka. Und die ist so gut, dass gleich zwei Schüsseln dafür herhalten müssen. Einfach nur ein Traum. Dafür wird der Rest dann überschaubar: ein bisschen Kosakensalat, zwei, drei Eier mit Kaviar, ein paar russische Fleischbällchen – und satt ist der Harald.

Ich bin mir jetzt gar nicht sicher, ob ein Ramazotti oder ein Espresso besser für die Verdauung wäre – und nehme daher vorsichtshalber beides in der AIDA Bar zu mir. Jetzt weiß ich zwar nicht, was geholfen hat – aber eins von beidem ist wohl die richtige Wahl gewesen.

Um 21.30 Uhr gibt es im Theater heute „Polaris“ – eine Art Musical. Und da ich das noch nicht kenne, schaue ich mir das gleich mal an. Und bin musikalisch begeistert – das hat tatsächlich Musicalniveau. Und auch der technische Aufwand mit Lasern, Projektionen und Lichtspielen ist enorm. Lediglich die Handlung – die erschließt sich mir (und meinen Sitznachbarn) nicht wirklich. Aber besser, die Musik ist gut und ich weiß nicht warum, als wenn ich verstehen würde, worum es geht, mir die Musik aber nicht gefallen würde.

Auf dem Rückweg in meine Kabine, in der ich noch meinen Rucksack für meinen Ausflug morgen packen muss, da es da schon um 8.00 Uhr losgeht, bestelle ich noch schnell zwei Fotos vom Clubtreffen und vom heutigen Ausflug und stelle erneut fest, dass das Gesichtserkennungssystem verdammt gut arbeitet – ich bin bislang auf allen Bildern korrekt erkannt worden.

Andererseits macht das natürlich auch ein bisschen Angst – solche Systeme kann man ja auch für andere Zwecke (miss)brauchen. Ich denke da nur an Google Glass, die mir theoretisch den Lebenslauf (oder zumindest die Infos aus Facebook) von jedem ins Blickfeld legen könnte, der an mir vorbeigeht … Ob da schon wirklich jedem klar ist, was da so auf uns zukommen wird …?

Aber wie auch immer – ich bin ja hier im Urlaub und schreibe einen Reisebericht und keine Abhandlung zum Thema Datenschutz … Und deshalb vervollständige ich jetzt noch schnell meinen Tag und gehe dann mal ein bisschen früher ins Bett, wobei ich bei der Helligkeit vor dem Fenster erst mal noch ein bisschen lese …

Weiter mit Tag 7: Akureyri (Island)

20. Juli 2014: Reykjavik (Island)

Der heutige Tag fängt ganz geruhsam an. Zwar recht früh, denn ab 6.30 Uhr bin ich hellwach – aber das hängt sicherlich damit zusammen, dass es hier inzwischen schon gar nicht mehr richtig dunkel wird. Selbst in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und -aufgang ist es eher dämmrig als wirklich dunkel. Aber trotzdem habe ich zu jederzeit das Gefühl gehabt, ausgeschlafen zu sein. Naja, mal schauen, wie das dann wird, wenn es in drei Tagen dann rund um die Uhr Tag ist …

Und da wir erst um 10.00 Uhr in Reykjavik anlegen, bleibt jetzt noch genügend Zeit, mal in die Zeitung zu schauen und in Ruhe zu frühstücken.

OK, das mit dem „in die Zeitung schauen“ lasse ich zunächst mal sein: „Leider steht der Internetzugang zur Zeit nicht zur Verfügung.“ Das ist dann der Nachteil, wenn man sich dicht an den Bergen bei der Hafeneinfahrt aufhält – da ist so eine Satellitenverbindung dann auf einmal auch mal nicht mehr da.

Nun gut, dann halt nur Frühstück – ohne Zeitung. Hierzu wähle ich heute nochmal das Calypso aus und lese mir dabei halt mal die Hafeninformationen durch. Und finde eine ganz interessante Information – im Kapitel „Geld und Währung“ steht: „In Island zahlt man mit Kreditkarte.“ Das interessante daran ist, dass in den anderen Hafeninfos an dieser Stelle beispielsweise steht: „In Norwegen zahlt man mit der Norwegischen Krone.“ Der Hinweis auf die Isländische Krone kommt erst weiter hinten. Sieht also ganz so aus als ob das hier auch ohne Bargeld geht.

Zunächst frühstücke ich aber erst mal weiter, lasse mir ein schönes Omelette machen und komme immer mehr zu dem Schluss, dass hier das Frühstück auch außerhalb des Rossini eine gute Wahl ist. Zumal es einfach mit weniger Wartezeiten verbunden ist, was insbesondere dann, wenn man noch was vor hat, einfach von Vorteil ist.

Und vor habe ich heute natürlich etwas – nämlich einen Ausflug in den Süden Islands. Hier habe ich mich mal gegen einen AIDA-Ausflug entschieden sondern alternativ einen lokalen Anbieter gewählt – einfach, weil der im AIDA-Fanforum gute Kritiken bekommen hat und er mit einem Package für Reykjavik (FAB100) und Akureyri (FAB302) für zusammen 115 € einen guten Preis aufgerufen hat.

Dass die Ausflüge darüber hinaus in kleineren Gruppen stattfinden und daher einfach individueller sein können, kommt natürlich noch hinzu. Und so kommt es, dass sich kurz nach Freigabe des Schiffes zehn Passagiere auf den Weg zu den beiden Vans von FAB Travel (http://www.fabtravel.is) machen, die direkt am Hafen auf uns warten.

Wir werden von einem deutsch sprechenden Reiseleiter, der noch eine Praktikantin dabei hat, begrüßt und stellen nach kurzem Smalltalk fest, dass er einige Jahre in Deutschland gelebt hat – und zwar teilweise gerade mal fünf Kilometer von mir entfernt. Irgendwie ist die Welt dann halt doch recht klein.

Als wir vollständig sind und jeder seinen Platz in dem 13-Sitzer gefunden hat, geht es auch schon los. Unser Ziel sind die Sehenswürdigkeiten in Islands Süden – der sogenannte „Golden Circle“ bestehend aus den drei Hauptattraktionen Gullfoss (Wasserfall), Strokkur (Geysir) und Thingvellir (Naturpark). Insgesamt werden wir heute eine Strecke von rund 300 km zurücklegen und – mit Ausnahme des Naturbades „Blaue Lagune“ (das wäre ein separater Ausflug gewesen) – alles gesehen haben, was man hier gesehen haben „muss“. Und das Fehlen der Blauen Lagune wird dann übermorgen ersetzt durch den Besuch des Naturbads „Jardbodin“ in Akureyri.

Doch beginnen wir von vorn – einer etwa einstündigen Fahrt in den Süden. Unterwegs erfahren wir von unserem Guide vieles über Island, die Geschichte des Landes und die aktuelle Situation im Land. So wusste ich bis jetzt beispielsweise nicht, dass die Leute in Island grundsätzlich nur Vornamen haben – als Nachname wird dann der Vorname des Vaters, ergänzt mit einem „Füll-s“ sowie „son“ für Sohn oder „dóttir“ für Tochter. Ich würde hier also „Harald Herbertsson“ (= Harald, der Sohn von Herbert) heißen. Und schon wird einem auch klar, warum die meisten Nachnamen hier die gleichen Endungen haben … 😉

Und während wir hier so fahren, dabei eine Stunde lang mehr oder weniger das gleiche sehen, wenn wir aus dem Fenster gucken (nämlich vor allem viel „Gegend“), sage ich mal was zum Wetter. Das ist nämlich erwähnenswert: wir haben heute rund 17°C und mehr oder weniger Sonnenschein. Ab und zu huscht zwar mal ein Wölkchen vorbei, das stört aber nicht im Geringsten. Also absolutes T-Shirt-Wetter (und mehr habe ich auch nicht an – also zumindest obenrum) – und das hat man auf Island wohl nicht jeden Tag. Oder anders gesagt: ganz, ganz selten.

Wobei sich das Wetter in Island auch mal rasch ändern kann. Scherzhaft heißt es hier zum Beispiel auf T-Shirts: „You don’t like the weather in Iceland? – Just wait five minutes …“ Heute gilt das aber nicht – das Wetter bleibt bis zum Abend so … einfach nur traumhaft.

Die Landschaft um uns herum erinnert so ein bisschen an eine Mondlandschaft – nur dass sie hier viel grüner ist. Aufgrund von Moosen und Flechten ist die ganze Insel mit einer grünen Schicht überzogen, die nur ab und zu mal von Bergen mit großen Gletschern unterbrochen wird. Vereinzelt sieht man Islandpferde (die, obwohl kleiner als 148 cm, hier trotzdem Pferd und nicht Pony genannt werden) und das eine oder andere Schaf. Einfach „Natur pur“ …

Zwischendurch sieht man immer wieder mal Dampf aus der Erde aufsteigen – aber das ist ja irgendwie auch das, was man von Island so erwartet. Und das interessante daran ist tatsächlich, dass die Warmwasserversorgung Islands tatsächlich direkt aus der Erde erfolgt: jeder Haushalt hat neben einem Kaltwasseranschluss auch einen für warmes Wasser im Keller. Und das kommt dann mit etwa 85°C direkt aus der Leitung – ohne dass da irgendwo eine Heizung eine Rolle spielt. Schön, wenn man seine Energieprobleme so einfach lösen kann …

Wir haben dafür inzwischen unsere erste Station, den Krater Kerid, erreicht und machen hier einen rund 20-minütigen Stopp. Für 350 Kronen oder alternativ 2 € kann man einen Blick in den mit Wasser gefüllten Krater werfen, der rund 55 m tief ist und aus der eruptiven Phase vor etwa 5.000 bis 6.000 Jahren stammt.

Und man kann beim Drumherumlaufen auf dem losen Gestein ausrutschen und sich dann die Hand aufschürfen. So einem Jugendlichen aus unserer Gruppe geschehen – und der fand das gar nicht witzig. Aber Dank Verbandkasten und einer einigermaßen brauchbaren Erste-Hilfe-Ausbildung des Autors (irgendeinen Nutzen muss das Ganze ja auch mal haben) kann die Hand gerettet werden und der Ausflug geordnet weiterlaufen.

Und somit setzen wir unsere Fahrt fort und erreichen etwa eine Viertelstunde später den Bischofssitz Skáholt mit einer kleinen Kirche. Dort findet gerade ein Gottesdienst statt, der sich jedoch pünktlich zu unserem Besuch dem Ende entgegen neigt – erkennbar am Applaus für den Pfarrer nach seinem Abschlussgebet. Nun gehe ich jetzt ja eher selten in die Kirche – das habe ich bei uns aber noch nicht erlebt. Ich meine, da würde das eher mit einem „Amen“ enden …

Wichtig für diejenigen, die diese Tour auch mal buchen wollen: bei diesem Stopp besteht erstmals die Gelegenheit für einen Toilettenbesuch. Und der eine oder die andere nimmt das auch dankbar an – obwohl in einer Art Sammelbox entweder 200 Kronen, 1 € oder ein US-$ erwartet werden (am günstigsten pinkelt man übrigens für den Dollar – wer also von allem etwas dabei hat, sollte den dort einwerfen) …

So langsam nähern wir uns übrigens unseren drei Hauptzielen auf dieser Tour – lediglich noch ein Halt nach etwa 15 Minuten (da aber auch nur für einen Fotostopp) bei einem kleinen Wasserfall („Faxa“) trennt uns von dem „großen“ Wasserfall, dem Gullfoss, auch „Goldener Wasserfall“ genannt.

Hier halten wir uns eine gute halbe Stunde auf – und die braucht man auch. Der Wasserfall ist mit seinen gut 30 m Höhe, die auf zwei Stufen aufgeteilt sind, schon beeindruckend. OK, wer jetzt die Wasserfälle in Iguazú in Argentinien bzw. Brasilien schon gesehen hat, ist vermutlich nicht ganz so beeindruckt – aber allein die Einbettung in die Landschaft ist schon sehenswert. Zumal man hier auch ganz dicht rankommt …

Und jetzt geht es Schlag auf Schlag – schon zehn Minuten später sind wir da, wo jeder, der Island besucht, eigentlich unweigerlich hin will (eigentlich hin muss): zu den Geysiren.

Der Geysir Strokkur befindet sich dabei in unmittelbarer Nähe zum Großen Geysir, der aber nur noch mit ein bis zwei Ausbrüchen im Jahr aufwartet, so dass wir uns mit den Eruptionen des Strokkur, die alle fünf bis zehn Minuten erfolgen, zufriedengeben. Wobei sich das jetzt so anhört, als ob das nicht wirklich spektakulär wäre – dem ist aber beileibe nicht so.

Das erste Mal habe ich mich an den Rand der Absperrung gestellt – und einfach mal gewartet, was so passiert. Und dann geht das ruck-zuck: ein kurzes Zischen und der Geysir spuckt seine Wassersäule rund 20 – 30 Meter in die Höhe. Das Ganze dauert keine zehn Sekunden – und das war es dann auch schon.

Bis in etwa zehn Minuten. Dieses Mal stehe ich auf der anderen Seite (da ist man deutlich näher dran) und harre der Dinge, die da kommen. Und die kommen – und zwar schneller als erwartet: keine fünf Minuten nach dem ersten Ausbruch folgt schon der zweite. Ich habe die Kamera zwar schon im Anschlag, bin dann aber von der Wucht doch ziemlich überrascht, oder besser gesagt, erschrocken. Unweigerlich springe ich fünf bis zehn Meter zurück – jetzt nicht unbedingt, weil ich nicht nass werden will sondern weil mir siedend heiß das Warnschild am Eingang, dass das Wasser zwischen 80°C und 100°C heiß ist, einfällt. Und der Plan ist ja nun nicht, hier bei lebendigem Leib gekocht zu werden.

Aber es geht alles gut – und das wäre es auch gegangen, wenn ich stehen geblieben wäre … aber das weiß man ja beim ersten Mal noch nicht unbedingt, was da so passiert, wenn’s kommt …

Beim nächsten Ausbruch (und der lässt jetzt wieder fast zehn Minuten auf sich warten), bin ich da schon cooler – ich springe nur noch zwei, drei Meter zurück. Und wieder geht alles gut. Und beim dritten Ausbruch, der wieder etwas schneller kommt, bleibe ich dann einfach stehen und halte den Finger auf den Auslöser – und auch dieses Mal passiert nichts. Außer dass das einfach beeindruckend ist, wie da ein Schwung kochendes Wasser rund 30 m in die Höhe geschleudert wird …

Bis zu unserer Abfahrt bleibt mir jetzt noch rund eine Viertelstunde – von daher wird es Zeit, mal in Richtung des Restaurants zu gehen. Dort hole ich mir einen Schinken-Käse-Toast und eine Cola – und stelle fest, dass das mit dem Zahlen mit Kreditkarte in der Tat hier das Normalste der Welt ist. Und zwar unabhängig vom Betrag. Vor mir sind etwa sechs, sieben Leute in der Schlange an der Kasse – da wird selbst ein simples Snickers mit Karte bezahlt. Gefällt mir – das gibt Meilen … 😉

Jetzt wäre zwar das mit dem Mittagessen geklärt, aber noch fehlt ein wichtiges Andenken an Island – der obligatorische Wandteller. Glücklicherweise ist direkt nebenan ein Souvenirshop – und so ist auch diese Herausforderung rasch gelöst. Und eine Ansichtskarte für die Mannheimer Ansichtskartensammlerin (ist ein Insider, gar nicht drüber nachdenken) findet sich auch.

Als wir uns dann kurz danach wieder in unserem Van sammeln und uns über unsere Erlebnisse in der vergangenen Stunde austauschen, erwähnt jemand, dass das hier doch sehr nach Schwefel gestunken hätte. Das ist mir zugegebenermaßen nur minimal am Anfang aufgefallen – und da kann ich jeden auch nur auf die Schwefelquellen auf St. Lucia verweisen … wer jemals dort war, weiß, was mit „nach Schwefel stinken“ gemeint ist … 😉

Parallel dazu sind wir aber auch schon wieder auf der Straße – unterwegs zu unserer dritten Station des Golden Circle, Thingvellir. Den Naturpark, ein weiteres UNESCO-Naturerbe, erreichen wir nach etwa 30 Minuten – und haben dann etwa vierzig Minuten Zeit, durch den Park zu gehen. Und so unscheinbar das Ganze am Anfang auch aussieht, während des kurzen Aufstiegs weiß man gar nicht so genau, wo man hinschauen soll. Da kann man sich echt im Kreis drehen und sieht immer wieder etwas Neues. Mein iPhone macht eine Panoramaaufnahme nach der anderen – mit einem normalen Foto lässt sich dieser Eindruck von endloser Weite, von Natur und Landschaft noch nicht einmal ansatzweise wiedergeben. Einfach nur Wahnsinn.

Und hier zeigt sich auch der Unterschied zum AIDA-Ausflug (den es in einer ähnlichen Form für gut 60 € auch gibt) – der Aufenthalt hier sind dann beispielsweise nur 15 Minuten … und das langt eigentlich noch nicht einmal für einen ersten Eindruck. Und so habe zumindest ich es absolut nicht bereut, den Ausflug mit FAB Travel gemacht zu haben.

Zumal wir ja auch zwischendrin den einen oder anderen außerplanmäßigen kurzen Stopp gemacht haben, der mit einem vollbesetzten Bus einfach nicht zu machen ist, ohne den Zeitplan gnadenlos durcheinander zu bringen.

Und da der eh schon ziemlich knapp ist, geht es auch gleich weiter. Nur noch mal schnell auf die Toilette gehen. Hm, das Schild weist auf 100 Kronen hin, die dafür zu entrichten sind. Das ist jetzt natürlich doof, da ich keine Kronen habe. Und da der Zugang zur Toilette mittels Schranke funktioniert (analog unserem Sanifair-System an den Autobahnen), kann man sich da auch nicht einfach mal so reinschmuggeln.

Aber guck mal einer schau: die umgerechnet 60 Cent lassen sich natürlich – wie konnte ich daran zweifeln – auch mit Kreditkarte entrichten. An der Schranke sind nicht nur die Schlitze für den Münzeinwurf der 100 Kronen vorgesehen sondern auch Kartenleser installiert. Und so bezahle ich wohl das erste Mal in meinem Leben für eine Toilettenbenutzung mit Kreditkarte (wobei ich feststelle, dass die Isländer vor und hinter mir das alle so machen – es stimmt also tatsächlich: „In Island zahlt man mit Kreditkarte.“)

Ich tue jetzt also was getan werden muss und mache mich dann wieder auf den Weg zu unserem Van. Hier hat unser Fahrer inzwischen das Dachfenster aufgemacht – und damit haben auch die weiter hinten sitzenden die Chance, während der Fahrt etwas Frischluft zu erhalten – denn Klimaanlagen sind hier tendenziell eher nicht so verbreitet … und an den meisten Tagen ja wohl auch nicht nötig.

Und somit treten wir das letzte Stück unseres Ausflugs an: in etwa 45 Minuten geht es nun zurück nach Reykjavik, wo wir als letzte Station Perlan anfahren – ein Restaurant mit Aussichtsplattform, das einen Blick über die Dächer von Reykjavik ermöglicht. Zugegeben, der ist überschaubar schön – etwa so, also ob man auf Wuppertal oder Offenbach von oben guckt (sollte ein Leser zufällig aus einer der beiden Städte kommen, ist natürlich nur die jeweils andere Stadt gemeint). Interessanter ist aber die Entstehung – das Restaurant („Die Perle“) wurde nämlich auf die Dächer der fünf Wasserspeicher von Reykjavik gebaut – hier wird das heiße Wasser, das aus der Erde gefördert wird, für die Weiterleitung an die Haushalte gespeichert (solche Speicher gibt es natürlich auch bei uns – da ist das Wasser dann aber kalt).

Den Abschluss unserer dann anschließenden Fahrt zurück zum Schiff bildet noch eine kleine Stadtrundfahrt durch Reykjavik, ein gelungener Abschluss eines tollen Tages in den Süden von Island. Rund 300 km sind wir heute durch Island gefahren, haben alles gesehen, was man hier gesehen haben muss und waren anstelle von geplanten sechs Stunden über acht Stunden unterwegs – ich würde es also ganz sicher wieder so machen.

Zurück auf dem Schiff jagt dann wieder mal ein Termin den nächsten … heute findet parallel zum Auslaufen um 19.30 Uhr das kulinarische Highlight für die „Grünen“ statt – und das ist heute „Rossini einmal anders“. Wer die Veranstaltung kennt, weiß, dass dabei das Auslaufen bei Champagner und kleinen Häppchen (das weiße Tomatenschaumsüppchen und der Jakobsmuschelcocktail sind einfach nur genial) vom Balkon vor der Brücke auf Deck 10 verfolgt wird (und die Passagiere auf Deck 11 dadurch in der Regel vom Zuschauen beim Auslaufen abgelenkt sind), um dann anschließend im Rossini noch fünf weitere Gänge zu genießen.

Und wer die Veranstaltung noch nicht kennt? Nun, der hat sie ja gerade kennengelernt. Und da man die immer wieder auch mal buchen kann, empfehle ich die gern mal weiter – sie ist bislang immer ihr Geld wert gewesen (auch wenn ich sie zugegebenermaßen fast immer auf Einladung von AIDA genießen durfte).

Und so verbringen wir den heutigen Abend zu viert an einem tollen Tisch im Rossini, tauschen uns über vergangene und kommende Reisen aus, lachen viel und merken dabei überhaupt nicht, wie die Zeit vergeht.

Das kann aber natürlich auch daran liegen, dass es draußen immer noch ziemlich hell ist – und das, obwohl die Uhr inzwischen Mitternacht anzeigt – das ist dann schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf die Mitternachtssonne, die wir ab übermorgen dann ja erleben werden.

Ich gehe jetzt aber trotzdem ins Bett (einen Vorteil hat das Ganze allerdings: die Fenster auf Deck 6 sind jetzt auch spät abends von außen nicht mehr durchsichtig – zumindest solange es draußen mehr hell als dunkel ist.) und schaue mal, wann ich dieses Mal aufwache …

Weiter mit Tag 6: Isafjördur (Island)