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2. August 2014: Kiel (Deutschland)

Den Wecker hätte ich überhaupt nicht gebraucht – bin ich doch auch so um 6.30 Uhr wach gewesen. Aber das ist nicht wirklich schlimm, so kann ich die Zeit bis zur Abfahrt ja durchaus sinnvoll nutzen – denn immerhin sind wir wieder kurz vor Deutschland, so dass jetzt wieder ein vernünftiger Internetzugang zur Verfügung steht.

Ich entscheide mich daher aufzustehen, ein letztes Mal die Badinstallationen zu nutzen und dann die Mails des letzten Tages durchzugehen, bis ich gegen 7.15 Uhr zum Frühstück ins Marktrestaurant gehe. Hier gibt’s dann noch mal ein tolles Omelette (mit einem Teller, der jeden Tag ein bisschen anders – und aufwändiger – dekoriert wird) – das sieht sogar so gut aus, dass ich am Tisch gefragt werde, was das denn kosten würde … 😉

Das Schiff ist inzwischen für alle diejenigen freigegeben, die ihr Gepäck selbst mit von Bord nehmen, so dass ich bereits jetzt zum Bahnhof gehen könnte – da mein Zug aber erst um 10.38 Uhr fährt, macht das noch nicht so viel Sinn, so dass ich mich entscheide, bis 9.00 Uhr meinen Koffer in der Kabine zu lassen (spätestens dann muss die Kabine ja verlassen werden) und die Zeit in der AIDA Bar für das Hochladen der Fotos zu nutzen (hier oben steht LTE zur Verfügung, so dass ich das auch bei den anstehenden runden 200 MB angehen kann).

Um kurz vor neun sind dann die Hälfte der Bilder auf dem Server, in Alben sortiert und mit Titeln und Schlagworten versehen – und den Rest mache ich dann gleich am Bahnhof. Ich gehe also letztmals in meine Kabine, hole meinen Koffer (und hoffe, dass ich nichts vergessen habe) und gehe das letzte Mal für diese Reise von Bord …

Jetzt muss ich noch durch das Terminal am Ostseekai, den Zoll passieren und dann mit dem Shuttle zum Bahnhof. Das mit dem Zoll geht schnell (der ist nämlich gerade nicht da) und auch der Bus steht praktisch abfahrbereit vor dem Terminal – es muss nur noch mein Koffer eingeladen werden und dann geht’s los. Das Ticket für den Shuttle hatte ich ja bereits zu Hause über MyAIDA gebucht (hätte man aber auch gestern noch an Bord für 3 € kaufen können) – und da der Ostseekai ja ein Stückchen vom Hauptbahnhof entfernt ist, macht das auch durchaus Sinn mit dem Shuttle.

Rund zehn Minuten später stehen wir dann schon vorm Bahnhof – es ist jetzt 9.20 Uhr, so dass noch über eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt meines ICE bleiben. Die würde ich jetzt gern in der Lounge der Bahn verbringen – da könnte ich dann auch gleich die restlichen Bilder hochladen. Leider gibt es so etwas in Kiel nicht: „Das lohnt sich hier nicht.“, wie ich am Informationsschalter erfahre. Nun, für mich hätte sich das durchaus gelohnt …

Also braucht es einen Plan B. Und da fällt mir der McDonalds ein, den ich ja schon bei der Hinfahrt bemüht habe. Der öffnet zwar erst in zehn Minuten, aber das ist nicht so schlimm, da vor der Tür fest installierte Tische und Barhocker stehen – und somit geht es jetzt gleich weiter mit den Fotos.

Ich trinke dann noch anstandshalber einen Cappu (und lasse mir dann gleich noch die kostenlose Toilettenmünze dazu geben) und schaffe es, bis zur Abfahrt alle Bilder auf dem Server zu haben. Lediglich bei einigen Fotos fehlen noch die Titel und die Schlagworte – aber das kann dann ja gleich im Zug passieren.

Der fährt übrigens ab Gleis 3 – und gerade heute wäre es mal schön gewesen, wenn die Wagen falsch herum angehängt worden wären. Die Wagen der 1. Klasse sind nämlich am Zugende – und das ist weit draußen … ich stelle also fest, dass es nicht reicht, pünktlich am Gleis zu sein – nein, man muss auch noch genug Zeit haben, um bis ans Ende des Zugs zu laufen.

Und das schaffe ich dann nicht ganz – ich steige also kurz nach der Hälfte in den Zug und arbeite mich dann innendrin bis Wagen 14 vor. Dort finde ich meinen Platz 41 – und wenn der Zug jetzt nicht wieder kaputt geht oder im Restaurant ein Feuer ausbricht (wie vorgestern im ICE nach Amsterdam), sollte meiner Rückkunft am Nachmittag in Frankfurt eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Ich baue meine Technik auf, hoffe auf eine einigermaßen stabile Internetverbindung und kann damit jetzt das Projekt „Fotoalbum“ auf generalalarm.de beenden – die Bilder sind online und der Hinweis auf Facebook ist geschaltet. Mission completed.

In Hamburg kommt dann noch ein bisschen Unruhe auf im Zug – da hier noch mal sehr viele Leute zusteigen. Und alle haben AIDA-Banderolen am Koffer. So nach dem Motto: AIDA trifft AIDA. Während im Zug bislang eigentlich nur Gäste der Cara sitzen kommen jetzt noch die der Stella dazu, die heute in Hamburg ihren Wechseltag hat.

Und bis Kassel-Wilhemshöhe passiert dann auch nichts Aufregendes mehr – ich trinke noch einen Cappuccino, lese die WELT und werde dann von einer Frau, die hier zugestiegen ist, angesprochen: „Wenn Sie mich bitte auf diesen Platz lassen würden.“

„Bitte?“ – „Ich möchte mich da hinsetzen.“ OK, verstanden hatte ich das auch beim ersten Mal – aber halt nicht kapiert. „Und warum?“ – „Ja, was meinen Sie wohl? Weil das mein Platz ist!“ Das kam jetzt schon lauter, die Aufmerksamkeit der Reisenden in unserem Wagen ist uns sicher. Frei nach dem Motto: endlich passiert hier mal was.

Ich versuche der Dame zu erklären, dass das relativ unwahrscheinlich ist – es sei denn, die Bahn hätte den Platz zweimal vergeben. Und wenn ich auch schon viel erlebt habe bei der Bahn – das hatte ich bislang noch nicht.

„Hier mein Ticket – schauen Sie doch selbst.“ Und ich schaue. Und stelle fest, dass sie im Prinzip Recht hat. Sie hat tatsächlich diesen Platz reserviert. Dummerweise nicht in diesem Zug. Der fährt nämlich nach Zürich – und sie will nach München … 😉

Wir sind uns daher schnell einig, dass ich sitzen bleibe – und sie sich auf die Suche nach dem Zugbegleiter macht … vielleicht hat der ja eine Idee, ob und wo sich unsere Wege (also eher die der Züge) noch mal kreuzen … 😉

Der Rest der Fahrt ist dann unaufgeregt – es brennt nichts, es geht nichts kaputt. Ich lasse mir noch einen Salat mit Hähnchenbrust bringen – und komme mehr oder weniger pünktlich kurz vor 16.00 Uhr am Frankfurter Westbahnhof an (warum der nicht wie ursprünglich geplant zum Hauptbahnhof fährt, wissen die Götter). Da ich aber von hier eh mit dem Taxi nach Hause fahre, ist das eigentlich auch nebensächlich – die Strecke ist ja praktisch identisch.

Naja, fast. Denn am Westbahnhof scheinen so wenig Leute anzukommen, dass es vor Ort kein einziges Taxi gibt. Da hilft dann nur die Taxi-App … und so steht fünf Minuten später ein Taxi für mich bereit, mit dem ich dann das letzte Stück des Heimwegs antreten kann.

Tja, und so endet nach zweieinhalb Wochen eine der schönsten Reisen, die ich bislang mit AIDA unternommen habe – wir waren knapp 10.000 Kilometer unterwegs, haben die Shetland Inseln, Island, Spitzbergen, das Nordkap und Norwegen besucht, die Mitternachtssonne kennen gelernt, hatten mit ganz wenigen Ausnahmen traumhaftes Wetter und nur an einem Tag ein bisschen Seegang – was kann man sich mehr wünschen?

Und so beginnen jetzt wieder mal knapp drei Monate mit AIDA-Abstinenz bevor es dann von Mallorca bis auf die Kanaren geht … aber auch die Zeit wird irgendwie rumgehen … 🙂

1. August 2014: Seetag – auf dem Weg zurück nach Kiel

Dafür klappt das mit dem Sonnenaufgang wieder einwandfrei. Avisiert für 5.15 Uhr wache ich um 5.13 Uhr auf … irgendwie ist das schon gespenstisch. Aber gut, ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass wir auf dem Meer sind (OK, nichts anderes ist zu erwarten gewesen) und ich mich also durchaus noch mal umdrehen kann.

Das mache ich auf, bis ich dann gegen 8.00 Uhr final wach werde. Ich entschließe mich noch, eine halbe Stunde ins ARD-Morgenmagazin zu schauen, finde das irgendwie alles furchtbar, was auf der Welt so passiert (egal ob Ägypten, Israel, die Ukraine – alles Ziele, die ich vor zwei, drei Jahren mit AIDA noch bereist habe und die heute mehr oder weniger Kriegs- oder zumindest Krisengebiete sind) und lasse mich nur vom Wetterbericht für unsere Rückkunft am Wochenende etwas aufmuntern. Das sieht ja eigentlich ganz erfreulich aus.

Was man vom heutigen Seetag nicht sagen kann: „bedeckt bis regnerisch, leichter Wind, 20°C“, so die Wettervorhersage in der AIDA Heute. Die Temperatur wäre ja noch in Ordnung, aber regnerisch ist nicht das Zauberwort für einen Seetag auf der Cara. Schade eigentlich …

Ich entscheide mich also zunächst für ein Frühstück im Marktrestaurant, treffe dort auf Gabi und Daniela und stelle während des Frühstücks beim Blick aus dem Fenster fest, dass da doch relativ viel blauer Himmel zu sehen ist – und das passt ja nun nicht zu „regnerisch“. Vielleicht sollte ich doch mal draußen nach dem Wetter schauen und nicht nur in der Bordzeitung.

Eine kurze Stippvisite auf dem Außendeck beim Weg in meine Kabine bestätigt den blauen Himmel und die vorhergesagte Temperatur. Sogar Sonnenstrahlen sind zu erkennen. Nun, das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Ich schnappe den Kindle, eine Wasserflasche und meine Badeschlappen und mache mich auf den Weg auf Deck 10.

Und sieh mal einer an: erstmals auf dieser Reise sind nicht nur auf dem Pooldeck einige Liegen aufgebaut sondern auch auf dem FKK-Deck (bislang musste man die immer selbständig aus dem Liegenpaket auspacken). Und da liegt der Harald jetzt – umringt von vielen anderen Sonnenanbetern – in der Sonne, die – Dank ganz wenig Wind – sogar fast zu heiß ist.

Wolken sind nur vereinzelt zu sehen – und selbst wenn mal eine für fünf Minuten vor der Sonne vorbeischwebt, ist die Abkühlung zwischendurch eher angenehm als dass man frieren würde. Genial – kann es einen schönen Abschluss für einen tollen Urlaub auf der Cara geben?

Ich ignoriere daher auch das Besteckklappern auf dem Außenbereich des Calypso ein Deck unter uns (da muss man jetzt nur beim Aufstehen aufpassen – sonst lenkt man die Leute unten ungewollt vom Essen ab) – das Mittagessen fällt heute wieder aus. Zum einen müsste ich sonst hier weg, zum anderen ist das wahrscheinlich auch gesünder.

Und so verlasse ich erst gegen 14.00 Uhr das Deck als sich eine größere Wolke vor die Sonne schiebt und so für eine längere Phase der Abkühlung sorgt. Bevor ich jetzt noch schnell dusche, gehe ich noch eine Viertelstunde in die Dampfsauna – und bin etwas verwirrt, als ich da wieder rauskomme. Sowohl das FKK-Deck als auch das Außendeck vor dem Saunabereich ist leer.

OK, hat bestimmt angefangen zu regnen, denke ich noch so bei mir. Hat es aber nicht, wie ein kurzer Kontrollblick auch den Boden zeigt. Aber da fällt noch mehr auf – die Liegen sind auch weg. Fein säuberlich sind die wieder zu Paketen zusammengebunden … und das passiert normalerweise ja erst abends.

Also irgendwas ist faul hier – ich weiß nur noch nicht was. Und bevor ich dazu kommen, jemanden zu fragen, beantwortet unser Kapitän die noch nicht gestellte Frage: „Vielen Dank, dass sie so schnell die Außendecks geräumt haben. Wie wir von der dänischen Küstenwache erfahren haben, wird der Hubschrauber in etwa zehn Minuten hier sein.“

Und auf einmal macht das alles Sinn … wenn ein Hubschrauber zum Schiff kommt, darf nichts mehr draußen sein, was wegfliegen könnte – das tut es nämlich sonst auch. Und einzelne Liegen, die nicht festgebunden sind, zählen da durchaus dazu. Bleibt jetzt nur noch die Frage, warum ein dänischer Hubschrauber zu uns kommt – wobei da eigentlich nur ein Szenario denkbar ist: ein medizinischer Notfall.

Und genau das hat der Kapitän auch durchgesagt – allerdings nicht über den Lautsprecher in der Dampfsauna (gibt’s da überhaupt einen?). Und somit ist klar, dass in etwa zehn Minuten ein Hubschrauber über uns sein wird, um einen Patienten mittels Seilwinde vom Schiff abzuholen. Das deutet dann leider auf eine wirklich schwerwiegende Erkrankung oder Verletzung hin – wenn so ein Manöver irgendwie vermeidbar ist, vermeidet man das … schließlich das ja noch mal die pure Stresssituation für den Patienten.

Ich gehe also zurück in meine Kabine, stelle dabei fest, dass die Zugänge zu den Außendecks inzwischen alle geschlossen und auch die Treppenaufgänge mit Flatterband abgesperrt sind. Über Lautsprecher wird das „Deck Fire Team“ aufs Pooldeck zur Absicherung des Hubschraubereinsatzes alarmiert – scheint alles ziemlich generalstabsmäßig abzulaufen.

Lediglich das Außendeck auf Deck 6 scheint nicht gesperrt zu sein – vor meinem Fenster steht zumindest eine Menschentraube. Und auch beim Blick nach rechts und links sind nur Menschen zu sehen. Offensichtlich sind jetzt alle 1.200 Passagiere hier versammelt – sieht zumindest ähnlich aus wie bei der Seenotrettungsübung.

Hab‘ ich vielleicht doch noch was verpasst? Aber gerade, als ich mir darüber Gedanken machen will, löst sich die Versammlung vor meinem Fenster auf. Deck 6 wird jetzt – logischerweise – auch gesperrt. Denn auch hier besteht ja eine latente Gefahr für die Passagiere durch den Hubschrauber oder aufgewirbelte Gegenstände.

Ich verstehe sowieso nicht, was die da alle gewollt haben – mehr als einen anfliegenden Hubschrauber kann man da doch sowieso nicht sehen. Und alles andere passiert dann doch sowieso über dem Pooldeck. Und so entscheide ich mich, mir das Treiben dort mal näher anzusehen. Wie das geht, obwohl die oberen Decks alle abgesperrt sind?

Ganz einfach: ich schalte meinen Fernseher mal auf Kanal 15 ein. Das ist die Webcam des Pooldecks – und siehe da. Das ist so ein bisschen wie bei DSF: „mittendrin statt nur dabei“. Und so verfolge ich die Rettungsaktion, die von Deck 11 in der Nähe des vorderen Treppenhauses abläuft, live im TV.

Zunächst werden zwei Retter auf das Schiff abgeseilt (das geschieht allerdings an anderer Stelle), die dann den Patienten für den Transport zum Hubschrauber vorbereiten. Und nachdem der erste mit der Winch (das ist die Seilwinde am Hubschrauber) wieder zum Hubschrauber gezogen wurde, folgt als nächstes der Patient auf einer Trage bevor der zweite Retter als letztes den Rückweg zum Hubschrauber antritt.

Und nach wenigen Minuten ist dann auch alles vorbei – der Hubschrauber verlässt uns wieder und der Kapitän bedankt sich nochmals für die Unterstützung und das Verständnis und teilt mit, dass der Patient jetzt auf dem Weg in die Klinik ist. Und ich wünsche an dieser Stelle in jedem Fall mal gute Besserung! Hoffentlich geht alles gut.

Mir hat das Ganze aber wieder gezeigt, dass man hier mit Notfällen sehr professionell umgeht. Da ich vor zwei Jahren auf einer Reise auch schon mal als Ersthelfer in eine Reanimation eingebunden war (leider mit negativem Ausgang), konnte ich seinerzeit schon sehen, wie gut das Rettungswesen auf AIDA organisiert ist. Und das hat sich heute bestätigt: innerhalb weniger Minuten waren die beiden Sonnendecks geräumt, alle Tische, Stühle und Liegen weggeräumt und gesichert und die entsprechenden Sperrmaßnahmen vorgenommen worden. Und bereits fünf Minuten nach der Rettung mittels Hubschrauber stand bereits wieder alles an seinem Platz – und der Urlaub konnte weitergehen.

Ich konnte es ja live am Bildschirm verfolgen: wie die Ameisen sind die AIDA-Mitarbeiter auf dem Pooldeck ausgeschwärmt, um alles wieder in den Ausgangszustand zu versetzen. Echt super organisiert!

Inzwischen hat sich der avisierte Regen dann doch noch blicken lassen: der blaue Himmel ist Geschichte – und das leere und nasse Pooldeck zeugt von einem kurzen, aber heftigen Schauer. Wobei das die meisten Passagiere nicht so sehr stört – jetzt ist doch eh Kaffee- und Kuchenzeit im Calypso. Und da hat man sich jetzt ja sowieso einiges zu erzählen. Hat doch jeder irgendwas gesehen, gehört oder meint, etwas gehört zu haben, was da genau vorgefallen ist … Aber so ist der Mensch nunmal …

Ich entscheide mich für etwas Salat und zwei kleine Stückchen Pizza, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken und beginne dann schon mal, meine Reisetasche mit den Dingen zu packen, die ich hier nicht mehr brauche und auf die ich bis Dienstag verzichten kann – wird die doch heute Nacht bereits abgeholt, um dann von TEFRA zu mir nach Hause geliefert zu werden. Und alles andere geht dann morgen früh in den kleinen Koffer, den ich selbst mit von Bord nehme.

In meiner Kabine werde ich dann übrigens von einer kleinen Tüte überrascht. Siehe da, mein Ersatznetzteil ist wieder da – zusammen mit einer Dose belgischer Pralinen. Nette Geste … wäre zwar nicht notwendig gewesen, freut mich aber deshalb um so mehr …

Und nachdem dann die Tasche gepackt ist (hier geht das Packen ja sowieso immer deutlich schneller als zu Hause), geht es dann auch schon zum „Farewell Dinner“ ins Marktrestaurant. Hier bin ich mit Arvi, Volker, Gabi und Daniela zum Essen verabredet – und so lassen wir uns gemeinsam die Köstlichkeiten schmecken, die AIDA heute für uns aufbietet.

Und die lassen sich wirklich sehen – wobei es immer wieder schade ist, dass der Hummer beim Farewell Dinner nur kalt serviert wird. Warm wäre das ein richtig leckeres Essen … aber so? Aber gut, das ist Jammern auf hohem Niveau – es gibt ja genügend andere Leckereien, die man als Alternative essen kann. Und satt bin ich hier ja auch noch immer geworden … 😉

Tja, und damit nähert sich unser Urlaub so langsam aber sicher dem Ende. Bei der Rückkehr auf die Kabine liegen hier schon die beiden belgischen Pralinen als Nachthupferl parat – und auch die Reise-DVD, die es für die Clubmitglieder der Stufe „Grün“ ja kostenlos gibt, ist dabei. Und so bleibt dann nur noch die Farewell-Show im Theater und anschließend der Farewell-Sekt auf dem Pooldeck. Hm, vielleicht hätte ich doch noch eine Jacke draußen lassen sollen? Naja, mal abwarten – aktuell sind es ja noch 22°C …

Bis dahin nutze ich aber noch die Zeit und gönne mir noch ein kleines AIDA Souvenir. Zugegeben, eigentlich gehöre ich ja nicht ganz zur Zielgruppe der Panini-Sammelalben von AIDA – aber als Fanartikel gehört das halt schon in die Sammlung. Ich werde mich morgen im Zug dann mal damit befassen – mal schauen, wie groß die Ausbeute der passenden Bilder ist. Und zur Not gibt’s da sicher jemand im Internet, mit dem man tauschen kann …

Ich umrunde noch einmal Deck 6 (das ist ja das Schöne auf der Cara, dass man hier einmal rund ums ganze Schiff gehen kann) und erlebe dabei noch ein fantastischen Sonnenuntergang – der Himmel ist weitestgehend klar und nur einzelne Wölkchen um die Sonne geben den passenden Hintergrund für den Untergang ab. Wie im Bilderbuch … kitschig, aber ein toller Abschluss für eine tolle Reise.

Und dann muss ich aber auch schon los aufs Pooldeck – ich will doch den Farewell Sekt nicht verpassen und die letzte Gelegenheit, mich zu verabschieden … bis zu welcher Reise auch immer. Kalt ist es glücklicherweise nicht, wir haben immer noch 22°C, obwohl es jetzt schon nach 23 Uhr ist. Offensichtlich können wir uns jetzt also wieder an höhere Temperaturen gewöhnen …

Und somit geht dann auch der letzte Abend dieser Reise zu Ende. Ich packe noch meinen zweiten Koffer zu Ende (bis auf die Kleinigkeiten, die morgen früh noch rein müssen), stelle meine Reisetasche zur Abholung vor die Tür, programmiere das Telefon für 6.58 Uhr (um 7.00 Uhr ist der Computer dann vermutlich wieder überlastet, weil mindestens 500 Leute gleichzeitig geweckt werden wollen) und wünsche ein letztes Mal eine gute Nacht …

Weiter mit Tag 18: Kiel (Deutschland)

31. Juli 2014: Bergen (Norwegen)

Bergen – und es regnet mal wieder. Naja, noch nicht … aber der Himmel deutet immerhin an, dass da Potenzial besteht. Nach zu kurzer Nacht wache ich gegen 7.00 Uhr auf, schaue aus dem Fenster und entscheide spontan, dass heute mal der frühe Vogel den Wurm fängt.

Ich mache mich im Bad fertig und bin 20 Minuten später im Marktrestaurant beim Frühstück, damit ich gleich um 8.00 Uhr nach Schiffsfreigabe an Land gehen kann. Und da erfahre ich dann auch, dass ich die James Bond Show gestern Abend doch nicht verpasst habe – die wurde nämlich aufgrund des Seegangs durch eine Filmvorführung ersetzt …

Und nachdem mein Hubschrauberrundflug ja abgesagt worden ist (und bei dem Wetter ist das vielleicht auch gut so), bleibt heute ja noch „Bergen auf eigene Faust“ übrig – und das umfasst aus meiner Sicht die Fahrt auf den Fløyen, die Besichtigung der Handelshäuser von Bryggen und des Fischmarkts.

Mit dem Stadtplan, den ich auf dem Schiff bekommen habe, mache ich mich dann direkt auf den Weg zur Talstation der „Fløibanen“ – dabei komme ich dann auch direkt an Bryggen vorbei. Und der Weg dauert nur rund zehn Minuten, dann kann ich die ersten Fotos der windschiefen Holzhäuser machen. Warum die noch stehen, ist mir physikalisch echt ein Rätsel – da ist ja absolut nichts Gerades mehr dran. Aber irgendwie scheinen sie ja zusammen gehalten zu werden …

Und gleich nachdem ich die Straße überquert habe, stehe ich vor einem McDonalds. Eigentlich ja nichts Ungewöhnliches – den gibt’s ja nun auch noch woanders. Hier ist er allerdings auch in eines dieser Holzhäuser integriert – und das so dezent, dass man maximal am Werbeaufsteller davor erkennt, was da im Haus drin ist. Echt stilvoll … obwohl vermutlich ja eher einer Denkmalauflage geschuldet.

Geht man nun links die Straße nach oben, kommt man direkt zur Talstation der Fløibahn. Und da ist aktuell noch nichts los … keine der avisierten Schlangen vor dem Eingang und auch keine Wartezeit beim Betreten des Bahnsteigs.

Da wäre es in der Tat egal gewesen, ob ich bereits im Vorfeld ein Ticket erworben habe oder jetzt hier eins für rund 10 € gekauft hätte. So kann ich jedoch direkt an der Kasse vorbei direkt zum Bahnsteig gehen; das Ticket wird dabei an einer Schranke eingelesen und ich dann durchgelassen. Und so bin ich einer der 70 Passagiere, die mit der nächsten Bahn (fährt geschätzt alle zehn Minuten) nach oben kommen.

Und da aktuell das Wetter noch einigermaßen hält (es regnet noch nicht und teilweise sind noch blaue Flecken am Himmel erkennbar), könnte da oben dann auch noch ein bisschen Sicht sein.

Ich stelle mich am Bahnsteig mal ganz nach vorn – da kann man dann bei der Auffahrt am ehesten Fotos machen. Und stelle fest, dass „ganz nach vorn stellen“ nicht optimal ist – die vordere Tür öffnet sich nämlich an der ersten breiten Stufe … und das ist die vierte oder fünfte von oben. Und so macht halt jetzt jemand anderes die Fotos … wobei – so zwischendurch kann ich mich auch mal nach vorn drängeln.

Nur wenige Minuten dauert die Fahrt mit der Standseilbahn auf den 320 m hohen Berg – dann sind wir auch schon oben auf der Aussichtsplattform. Und ich habe Recht gehabt: „Früher Vogel fängt den Wurm.“ Wir haben eine tolle Aussicht über Bergen, den Hafen, die vorgelagerten Fjorde und auch die Schiffe im Hafen (außer uns haben noch die Costa neoRomantica und die Azura von P&O in Bergen angelegt) … und zwar genau 15 Minuten lang.

Dann kommt nämlich der erwartete Regen (irgendwoher müssen die knapp 300 Regentage in Bergen ja kommen), so dass einerseits die Sicht schlechter wird und anderseits die Ausflugsgruppe des Costa-Schiffes kollektiv zur Bahn strebt. Ich rette mich noch schnell zur Seite unter eine Überdachung, bevor die italienischen Mamas mich auf ihrem Weg ins Trockene plattdrücken (Anmerkung des Verfassers: das ist nicht abwertend gemeint sondern stellt lediglich meinen persönlichen Eindruck der Situation hier oben dar).

Die aktuelle Bahn wäre damit ja schon mal voll – also nehme ich dann die nächste. Und die ist fast leer (klar, sind ja eben auch alle mit runter gefahren), so dass ich dieses Mal den Platz an der Poleposition halten (und hier ist es in der Tat die zweite Stufe des Bahnsteigs) und das eine oder andere Foto bei der Talfahrt machen kann.

Unten zeigt sich dann übrigens auch die beschriebene Situation mit den Menschenschlangen – und davon gibt es zwei: einmal diejenigen, die an der Kasse stehen (ich schätze mal rund 20 Minuten Wartezeit) und dann diejenige, die mit ihren Tickets in die Bahn wollen (da schätze ich mal mindestens eine Stunde). Von daher hätte jetzt das bei AIDA gekaufte Ticket zwar etwas Zeit an der Kasse erspart, das Problem mit dem Warten wäre aber trotzdem da gewesen (und das liegt ganz einfach daran, dass es sich bei den Wartenden um Ausflugsgruppen der Kreuzfahrtschiffe handelt, die alle Gruppentickets haben).

Von daher wäre meine Erkenntnis, dass dieser „Ausflug“ von AIDA nicht zwingend notwendig ist – das Ticket kann man für 10 € auch direkt kaufen … wenn man früh da ist. Meine Empfehlung wäre daher eher, in Bergen mal früh aufzustehen und sich gleich morgens auf den Weg zur Fløibanen zu machen – dann ist man innerhalb weniger Minuten oben und tritt sich dort auch nicht gegenseitig auf die Füße.

Jetzt schaue ich aber mal, wo es das Fischbrötchen gibt, für das ich im Ausflugspaket auch einen Gutschein bekommen habe. Laut Stadtplan ist der Fischmarkt direkt am Hafen gelegen, gegenüber der Straße, in der die Talstation der Bahn liegt.

Und so ist das auch. Nur regnet es halt immer noch, so dass ich mich noch ein bisschen unter der Überdachung der Bahn aufhalte bis ich dann – mit Schirm bewaffnet – den Weg zum Hafen antrete. Glücklicherweise ist der nur kurz – und so stehe ich fünf Minuten später unter dem ersten Marktschirm im Trockenen.

Ja, und hier gibt es dann in der Tat Fisch und auch Meeresfrüchte. Und da es nicht nach Fisch riecht, scheint das auch alles recht frisch zu sein. Wobei es gleichzeitig sehr sauber und steril aussieht. OK, das ist ja nichts Schlechtes für einen Fischverkauf – wer aber sowieso nichts kaufen sondern nur gucken will, der ist auf einem Fischmarkt in Asien, Indien oder Brasilien besser bedient. Da sieht man zwar schon, dass man da besser nichts kaufen sollte (und man riecht es auch) – das Treiben ist aber schöner und bunter.

Aber natürlich sollte das nicht das Kriterium für einen Fischmarkt sein. Und da ich ja hier gleich noch ein Fischbrötchen essen will, ist mir das so natürlich schon lieber. Und so schaue ich mal auf den Plan, wer jetzt meinen Gutschein eintauscht und finde den Laden auch gleich am Ende der Fischhalle.

Und der sieht noch mal steriler aus – und das ist jetzt natürlich auch gut so. Und so bewundere ich zunächst frischen Fisch, riesige Königskrabben und allerlei Meeresgetier bevor ich mich für ein Krabbenbrötchen (das normalerweise auch knapp 10 € kostet) entscheide. Und das mit dem Preis ist kein Tippfehler – das nehmen die hier tatsächlich. Und zwar alle … Wer also zu Hause die „Nordsee“-Preise gewöhnt ist, wird sich hier etwas umgewöhnen müssen.

Wobei – das Krabbenbaguette schmeckt in der Tat sehr lecker. Ob das jetzt diesen Preis wert wäre, das sei aber mal dahin gestellt. Auf der anderen Seite: Wahl habe ich ja eh keine und bezahlt ist das Teil ja auch schon.

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich jetzt über AIDA rund 10 € mehr bezahlt habe als ich hätte bezahlen müssen, wenn ich das individuell gemacht hätte. Nun gut, das wusste ich ja vorher – der Plan war halt, damit evtl. Schlangen an der Standseilbahn zu umgehen. Dass es die um die Zeit nicht gibt, ist halt nun der Lernfaktor gewesen. Wer allerdings erst später geht und dann nicht nur Reisegruppen vor sich hat, mag mit dem Vorverkaufsticket natürlich schon gut bedient sein – das kann ich allerdings so nicht beurteilen.

Beurteilen kann ich aber, dass das Wetter langsam aber sicher so wird wie man das in Bergen erwartet. Der Himmel ist jetzt vollkommen bedeckt und der Regen scheint auch nicht mehr aufzuhören. Ich entscheide mich daher, den geordneten Rückzug anzutreten und zurück zum Schiff zu gehen.

Dabei begegne ich dann all denjenigen, die das mit dem frühen Vogel ignoriert haben … 😉 Die müssen jetzt halt mit Wartezeiten und vor allem Regen leben – zusammengefasst: alles richtig gemacht und gegen 10.00 Uhr wieder im Trockenen auf der Cara gesessen.

Und zwar mit einem Cappu in der AIDA Bar beim Bearbeiten der Fotos des heutigen Tages. Und so viele werden da jetzt auf dieser Reise ja auch nicht mehr dazu kommen … heute gehe ich nicht mehr raus, morgen haben wir noch einen letzten Seetag und dann ist diese grandiose Reise auch schon wieder vorbei. Unglaublich wie schnell 17 Tage vergehen … da mache ich mir um meine 50-Tage-Jungfernfahrt mit der AIDAprima auch keine Sorgen mehr – das ist ja auch gerade mal drei Mal so lang 😉 Und die Ziele sind ja auch alle phantastisch …

Insgesamt fast 1.000 Fotos stehen daher jetzt zum Sortieren, Beschneiden, Nachbearbeiten und Löschen an. Sind dann doch viel mehr als gedacht – und vor allem will ich hinterher eigentlich nur höchstens 250 behalten. Und so zieht sich das Ganze dann doch bis in den späten Nachmittag hin … wahrscheinlich halten mich die Leute in der AIDA Bar schon für einen Workaholic, weil ich hier immer mit meinem MacBook in der Ecke sitze. 😉

Aber irgendwann ist dann auch das geschafft. 300 Fotos sind übrig geblieben – und die sind fertig bearbeitet und auch schon aufbereitet für den Upload auf generalalarm.de. Das klappt dann allerdings erst wieder im deutschen Mobilfunknetz – sonst wären meine 500 MB für den heutigen Tag relativ schnell verbraucht 😉

Ich überlege, ob ich jetzt noch mal ein Stündchen Sport mache oder den Saunaaufguss mitnehme, entscheide mich dann aber doch für zwei weitere Kapitel in meinem Buch bevor ich gegen 18.00 Uhr zum Essen gehe.

Im Marktrestaurant ist heute Spanien angekündigt – eigentlich ja nicht schlecht. Aber irgendwie komme ich über ein paar Tapas und einen Teller Knoblauchsuppe hier nicht hinaus – die Hauptspeisen machen mich irgendwie alle nicht so an. Lediglich die Paella käme in Frage – da bin ich aber ein bisschen zu verwöhnt … das kommt dann davon, wenn man spanische Freunde hat.

Und so wechsele ich die Lokalität und schaue mal, was es im Calypso so gibt – hier wird die „Vielfalt der Latinoküche“ angeboten. Aber auch hier finde ich irgendwie nur ein paar leckere Vorspeisen … alles andere lacht mich nicht so wirklich an. Und so wird das heute eine bunte Mischung von Vorspeisen und einem großen Teller mit Männerobst zum Abschluss.

Das geht aber auch den anderen an meinem Tisch so … vielleicht ist man nach mehr als zwei Wochen AIDA Buffet aber auch einfach zu verwöhnt und es wird Zeit, dass es daheim einfach mal wieder ein Brot mit Wurst zum Abendessen gibt … einfach um (wie Gabi es treffend bezeichnete) „mal wieder geerdet zu werden“. 😉

Dafür passt heute die Tischgesellschaft – umringt von vier netten Mädels wird das ein richtig netter Abend, der eigentlich auch erst endet, als der erste Staubsauger durchs Calypso geschoben wird.

Wobei „geendet“ nicht ganz stimmt – im Theater läuft jetzt die Schlagershow (OK, da muss ich jetzt nicht sein, wenn das Publikum in Extase gerät und geräuschvoll mitklatscht), danach gibt’s dann aber das legendäre Alpenglühn in der AIDA Bar – und das ist dann ja doch zumindest für eine Brezel und ein Weissbier gut … und es ist schon erstaunlich, wie viele Leute man in den zwei Wochen doch so kennengelernt hat – und sie jetzt irgendwie alle wieder trifft.

Aber irgendwann geht auch der schönste Abend zu Ende und der Harald ins Bett. Draußen ist es jetzt – so wie sich das gehört – endlich mal wieder richtig dunkel … und so fällt auch das Lesen vor dem Einschlafen weg – ich versuche zwar noch, die Aufzeichnung des heutigen AIDA TV anzuschauen (die Livesendung wird jeden Abend um 18.15 Uhr ausgestrahlt), aber irgendwie hat das wohl nicht ganz geklappt … zumindest läuft der Fernseher noch, als ich mitten in der Nacht mal kurz aufwache.

Weiter mit Tag 17: Seetag – auf dem Weg zurück nach Kiel

30. Juli 2014: Seetag – auf dem Weg nach Bergen

Wer hätte es geahnt … die Sonne und ich kommen mehr oder weniger gleichzeitig zum Vorschein. Und während die Sonne sich dazu entscheidet, weiter aufzugehen und ihren Weg gen Westen fortzusetzen, entscheide ich mich zunächst, meine Nachtruhe noch nicht zu beenden und drehe mich nochmals um.

Bis gegen acht – dann bin ich endgültig wach. Ich springe aus dem Bett (OK, sollte man nicht zu wörtlich nehmen), schaue mal ins Bad und gehe dann zum Frühstück ins Marktrestaurant. Mir ist heute irgendwie nicht nach Rossini – und so treffe ich auf Daniela, mit der ich nun die Zeit bis zur Ausflugspräsentation bei Omelette, Lachs und Obst verbringe.

Und morgen ist es ja dann auch schon so weit: der letzte Hafen unserer Reise, Bergen, steht vor der Tür. Gestern Abend hingen schon die Abreiseinfos an der Tür (ein untrügliches Signal, dass auch die schönste Kreuzfahrt mal zu Ende geht) und jetzt steht die letzte Ausflugspräsentation an.

Aktuell habe ich in Bergen ja sowohl den Spaziergang auf eigene Faust gebucht (was ja im Prinzip nur aus dem Ticket für die Fløibanen und dem Gutschein für ein Fischbrötchen auf dem Fischmarkt besteht) als auch den Helikopterrundflug über Bergen und Umgebung gebucht.

Nach wie vor fehlt hierfür aber ein weiterer Mitreisender, damit die Mindestteilnehmerzahl erreicht ist – und zusätzlich stellt auch der Wetterbericht für morgen, den ich gerade noch mal abgerufen habe, meine Entscheidung, mit dem Heli über Bergen zu fliegen, noch in Frage. Naja, mal schauen, ob sich denn zumindest noch jemand findet, sonst muss ich die Wetterfrage ja gar nicht mehr beantworten.

Ich schaue mir also die Präsentation an, glaube kaum, dass der Vortrag des Bikingguides, in dem er die beiden Radtouren hervorhebt, auf Gegenliebe des anwesenden Publikums stößt („Für die Aktivtour müsst Ihr schon richtig fit sein und an Eure Grenzen gehen wollen!“) und hoffe, dass die Fotos vom Hubschrauberflug doch noch irgendjemand überzeugen können.

Und so frage ich um kurz vor 12 mal vorsichtig nach – wenn sich bis jetzt keiner mehr gefunden hat, wird das wohl eher nichts werden, da um 12.00 Uhr der Buchungsschluss ist. Und – es hat sich nicht nur kein Dritter mehr gefunden, der Zweite ist auch noch abgesprungen. Super – damit hat sich das in der Tat erledigt (und ich muss dem Wetter keine weitere Beachtung mehr schenken).

Also wird das morgen in Bergen ein recht entspannter Tag, an dem ich den Spaziergang durch die Stadt, verbunden mit Brygge und dem Fischmarkt, sowie die Auffahrt auf den Fløyen mit der Standseilbahn mache. Ob ich dann den Berg zu Fuß wieder herunterlaufe oder alternativ mit der Bahn wieder nach unten fahre, sehe ich dann morgen – und mache das wohl im wesentlichen vom Wetter abhängig (wobei ich allerdings befürchte, dass Bergen als regenreichste Stadt Europas ihrem Titel wieder mal alle Ehre machen wird).

Jetzt sitze ich zumindest erst mal wieder an meinem Stammplatz in der AIDA Bar, berichte ein bisschen von dieser Reise, suche ein paar Fotos aus und bearbeite diese für das Titelbild des Reiseberichts – während draußen immer wieder mal die Regentropfen ans Fenster prasseln und sich das Schiff ab und zu mal ein bisschen um die eigene Längsachse bewegt. Das ist zwar noch lange vom Seegang entfernt, reicht aber schon dafür aus, dass die ersten Pflaster hinter die Ohren geklebt, die Akkupressurbänder angelegt und an der Rezeption schon mal vorsorglich um Tabletten angefragt wird. Mal schauen, was draus wird – aber die Strecke von Trondheim nach Bergen ist ja immer wieder mal ein bisschen ruckeliger … ähnlich wie die nach Madeira – denn auch da ist ja meistens etwas Bewegung im Spiel.

Und das verstärkt sich dann über den Nachmittag auch noch – obwohl sich das Wetter deutlich bessert. Von Regen ist keine Spur mehr in Sicht, der Himmel ist mehr oder weniger blau und auch die Sonne schickt ihre Strahlen aufs Pooldeck. Nur der inzwischen recht starke Wind, der durch den Fahrtwind noch verstärkt wird, macht den Aufenthalt hier oben zu einem kühlen Vergnügen.

Aber das hält mich nicht davon ab, den mit Jacken, Mützen und Decken bewaffneten Leuten an Deck in der Badehose entgegen zu treten. Zugegeben, nur auf den fünf Metern vom Ablegen des Bademantels bis zum Whirlpool, aber immerhin. Und da drin ist es dann echt genial. Ganz im Gegensatz zu den Whirlpooltemperaturen, die man von AIDA sonst so gewohnt ist, ist das hier mit Badewannentemperatur (also etwas über der Körpertemperatur) so richtig zum Entspannen geeignet. Das Gesicht in die Sonne gehalten könnte fast Mittelmeerfeeling aufkommen.

Und das sehen offensichtlich auch die Jugendlichen hier an Bord so … keine zehn Minuten, nachdem ich in den Pool gegangen bin, wird’s hier voll: acht Jugendliche leisten mir nämlich ab jetzt Gesellschaft: „Cool, endlich mal einer, der sich da auch reintraut …“ – OK, die scheinen öfter hier drin zu sein … und womit? Mit Recht!

Nach einer halben Stunde reicht es mir dann aber auch, da der Wind im Gesicht jetzt dann doch langsam frisch wird und auch die Wolken langsam aber sicher wieder die Oberhand gewinnen. Zumal es jetzt kurz vor vier und damit die Gelegenheit günstig ist, den 4-nach-4-Aufguss zum Aufwärmen zu nutzen.

Ich verlasse also den Pool, lege den Weg zu meinem Bademantel jetzt dann doch deutlich schneller zurück als den Hinweg und sehe zu, dass ich in der Sauna unter die warme Dusche komme. Zum Aufguss schaffe ich es gerade noch – und das ist auch gut so, da der wieder von der Sportfrau gemacht wird, die weiß, wie’s richtig geht …

Danach geht’s dann noch mal kurz aufs Deck zum Abkühlen (aber wirklich nur kurz) bevor ich dann unter der Dusche feststelle, dass das Geschaukel noch etwas zugenommen hat. Nach wie vor vom Seegang entfernt (als „Seegang“ definiere ich den Zustand, wenn im Treppenhaus die Tüten aufgehängt werden), muss man unter der Dusche aber ab und zu schon mal schauen, dass man noch unter dem Strahl steht.

Bis zum Abendessen ist jetzt noch etwa ein Stündchen Zeit – die nutze ich mal für einen Blick auf die Situation in der Welt, indem ich mir mal die tagesschau zu Gemüte führe und danach noch ein kleines Nickerchen mache.

Aber nur so lange, dass ich um kurz nach sechs ins Marktrestaurant komme – da ist heute nämlich „USA“ das Thema. Und nach Griechenland ist das eines der Themen, denen ich mich gern widme. Gibt es da doch (erstmals auf dieser Reise) Burger … aber natürlich nicht nur: Baked Potatoes mit Sour Creme, Clam Chouder (Muschelsuppe), saftige Rindersteaks, Zwiebelringe, Spare Ribs (richtig gut gewürzt!), Chili Poppers und vieles mehr … Da kann „Australien“ im Calypso nicht wirklich mithalten.

Im Restaurant sieht man übrigens durchaus, dass wir heute das erste Mal ein bisschen Bewegung auf dem Schiff haben. Praktisch alle machen den Eindruck, als ob sie sich unter Alkoholeinfluss fortbewegen würden, manch einer steht zwar mit seinem Teller vor dem Essen, stellt dann aber fest, dass sich das Essen im Moment des Zugreifens um etwa eine Schrittlänge entfernt hat und wieder andere kommen schon mit einem leichten Grünstich im Gesicht ins Restaurant.

Und die mag ich ja nun nicht so sehr … weil es manchmal halt nicht bei dem Grünstich bleibt und sie dann den Rest der Gäste an ihrem Unwohlsein teilhaben lassen. Glücklicherweise nicht heute – aber ganz unbekannt ist mir die Situation von anderen Reisen nicht.

Erziehungstechnisch etwas Nachhilfe könnte aber auch eine der grünstichigen Damen gebrauchen, die ihrer etwa sechs Jahre alten Tochter auf die Frage, ob es ihr denn nachher auch schlecht werden wird, antwortet: „Bestimmt, mein Schatz.“ Ich würde jede Wette annehmen, dass das jetzt keine Stunde mehr dauert … 🙁

Auf dem Rückweg schaue ich dann noch mal in der AIDA Bar vorbei, um mir einen Ramazotti Sour zur Verdauung zu genehmigen – und treffe unterwegs doch die eine oder andere mit einem Teller, einem Schälchen oder auch nur einem Tee auf dem Weg zu den Kabinen. Offensichtlich scheint es also doch den einen oder anderen Ausfall zu geben.

Warum da übrigens nur Frauen mit dem Essen unterwegs sind, lässt sich nicht so wirklich ergründen. Es kann ja statistisch gesehen kaum sein, dass nur Männer seekrank sind. Aber wahrscheinlich bleibt das genau so ein Rätsel wie die Frage, warum ältere Damen mehrheitlich ein zerknülltes Tempotaschentuch wahlweise in der zur Faust geballten Hand oder im Ärmel versteckt durchs Schiff tragen (die Frage habe ich in einem früheren Bericht schon mal aufgeworfen – eine Antwort hat mir bis jetzt aber noch niemand geben können).

Ursprünglich wollte ich ja um 19.00 Uhr zur Destinationspräsentation über Asien gehen – nach kurzer Rücksprache mit dem Reiseberater stellt sich aber heraus, dass er nur die Südostasienziele, die ich alle schon kenne, vorstellt. Meine Hoffnung, er würde auch über die Asienziele der AIDAprima auf der Jungfernfahrt sprechen, erfüllt sich somit nicht – und damit wird das dann auch eher uninteressant.

Und so entscheide ich mich, bis zur Show um 21.30 Uhr im Theater („James Bond 007“) noch ein bisschen in die Kabine zu gehen und zu lesen. Und nachdem ich schon mal hier bin, ich die Show ja schon kenne und mein Buch doch relativ spannend ist, bleibe ich gleich da …

Nach etwa einer Stunde habe ich es dann doch tatsächlich geschafft – ich bin fertig mit dem Buch und stelle fest, dass es da eine Fortsetzung gibt. Und natürlich will ich wissen, wie es weiter geht. Und das ist jetzt der Moment, wo meine Kindle seine volle Leistung zeigen kann. Ich deaktiviere den Flugmodus und warte ab …

Nach etwa 30 Sekunden will er ins Schiffs-WLAN. Vernünftiger Gedanke – aber ich will nicht. Das müsste ich ja bezahlen. Also warte ich weiter. Und als er nach drei Minuten kein anderes WLAN mehr findet, aktiviert er den eingebauten Mobilfunkmodus, um sich darüber mit dem Kindle Store von amazon zu verbinden.

Und selbst die Tatsache, dass nur das Mobilfunknetz vom Schiff verfügbar ist, hält ihn nicht davon ab, sich mit diesem zu verbinden und mich den zweiten Teil meines Buchs kaufen zu lassen – und den dann auch gleich herunterzuladen. Sehr sauber – ich hatte seinerzeit ja bewusst einen Kindle mit 3G gekauft, um genau in diesen Situationen Zugriff auf den Store zu haben – dass der sich aber auch in dem nicht gerade billigen Schiffsnetz einbucht, hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Da hat amazon wieder einmal keine halben Sachen gemacht …

Und so kann die Lesenacht jetzt noch ein bisschen weitergehen, bis mich dann das Schaukeln des Schiffs beruhigend in den Schlaf wiegt …

Naja, oder auch nicht. Denn inzwischen hat der Wind weiter zugenommen und auch die Windrichtung scheint nicht wirklich optimal zu sein – zumindest steigert sich die Schaukelei weiterhin. Inzwischen sind wir bei einer Windstärke von 10 Beaufort angelangt – und das spürt man durchaus.

Wikipedia beschreibt Windstärke 10 auf dem Meer übrigens wie folgt: „Schwerer Sturm, sehr hohe See, sehr hohe Wellen, weiße Flecken auf dem Wasser, lange, überbrechende Kämme, schwere Brecher

Wären wir stattdessen an Land, würden „Bäume entwurzelt, Baumstämme brechen, Gartenmöbel weggeweht und große Schäden an Häusern“ auftreten. Gut, dass wir auf See sind – und die Cara das problemlos wegsteckt. Ich befürchte aber mal, dass es Passagiere gibt, denen es nicht ganz so gut bekommt wie dem Schiff – zumindest höre ich aus meiner Nachbarkabine, dass die Toilettenspülung doch relativ häufig betätigt wird.

Mich stört das Ganze lediglich beim Einschlafen – denn das ist irgendwie recht schwierig, wenn man im Bett ständig von rechts nach links und von vorn nach hinten bewegt wird. Das ist irgendwie so ein Gefühl wie beim Beschleunigen im Auto, wenn man plötzlich den Fuß vom Gaspedal nimmt – und ihn danach wieder drauf stellt und das Pedal ganz durchdrückt. Zwischendurch ruckelt es dann mal kurz – so ähnlich wie beim Überfahren eines Bahnübergangs oder mehrerer Bodenwellen in einer Tempo-30-Zone.

Und dabei könnte man ja auch nicht wirklich gut einschlafen … und so ist das eher so eine Art gepflegtes Ruhen bis es gegen 3.00 Uhr dann etwas ruhiger wird da draußen … Aber immerhin – so haben wir jetzt dann doch noch den Seegang gehabt, der hier oben eigentlich dazu gehört. 😉

Weiter mit Tag 16: Bergen (Norwegen)

29. Juli 2014: Gravdal/Lofoten (Norwegen)

Und genau so kommt es dann auch – pünktlich zum Sonnenaufgang um kurz nach drei wache ich auf. Die innere Uhr scheint also wieder gestellt zu sein. Und das ist gut so – zeigt der Blick aus dem Fenster doch, dass es sich lohnt, mal kurz in T-Shirt und Short zu schlüpfen und vor die Tür zu gehen. Kombinieren sich doch Wolken und Sonne gerade zu einem schönen Fotomotiv. Aber zugegebenermaßen nur kurz – so richtig warm ist es aktuell ja noch nicht da draußen …

Also zurück ins Bett und noch ein paar Stündchen geschlafen, bis wir so gegen 8.00 Uhr in Gravdal auf den Lofoten ankommen. Eigentlich sollten wir hier vor Anker gehen und auf Reede liegen – warum auch immer steuern wir aktuell aber auf die Pier zu und legen parallel zur Le Boréal, einer Kreuzfahrtyacht (so nenne ich das 250-Personen-Schiff einfach mal) der französischen Reederei Ponant an. Kein Zweifel – heute wird nicht getendert.

Aber des Rätsels Lösung kommt umgehend: ich höre, dass unser Kapitän uns mit einer Durchsage begrüßt, schalte den Fernseher schnell auf Kanal 14 (da dort die Durchsagen übertragen werden, die man ansonsten auf der Kabine nicht hört) und bekomme gerade noch mit, dass wir heute – im Gegensatz zu den vergangenen Reisen – nicht tendern würden, da die See ruhig genug wäre, so dass wir direkt an die Pier fahren konnten.

Da scheinen wir mit unserem Reisetermin ja echt Glück gehabt zu haben. Bislang sind wir von jedwedem Seegang mehr oder weniger verschont geblieben, während die Passagiere auf unserer Vorgängertour den Berichten der Besatzung zufolge wohl kaum einen Tag ohne solchen verbracht haben und froh um jeden noch so kurzen Hafenaufenthalt waren, da das für einige wohl die einzige Möglichkeit der Nahrungsaufnahme war. OK, ist sicherlich ein bisschen übertrieben und mit Seemannsgarn vermischt – aber so ein bisschen Wahrheit muss, auch den Berichten in einschlägigen Foren folgend, durchaus dran sein.

Aber wie auch immer – gegen 9.00 Uhr haben wir an der Pier festgemacht und das Schiff wird zum Landgang freigegeben. Wobei mir ein kurzer Blick von Deck 6 schon zeigt, dass das in der Tat maximal ein kurzer LandGANG wird – denn in der Tat gibt es hier offensichtlich nichts. Ein kleiner Hügel neben der Pier bietet evtl. ein bisschen Aussicht auf die Natur – und das ist es dann auch gewesen. So etwas wie eine Stadt gibt es hier nicht – lediglich ein kleines Souvenirlädchen ist zu finden.

Und natürlich das Personal der Autovermietungen, die die Fahrzeuge für diejenigen anliefern, die sich im Vorfeld im Internet einen Mietwagen bestellt haben. Und das ist – wie sich später im Gespräch bestätigen wird – wohl eine sehr gute Alternative zu den AIDA-Ausflügen. Die Lofoten haben landschaftlich so viel zu bieten, dass Gravdal maximal der Ausgangspunkt für weitergehende Erkundungen sein kann. Und von daher kann der Tipp für nachfolgende Reisende nur sein, entweder einen der AIDA-Ausflüge zu buchen (und zwar am besten schon zu Hause über MyAIDA, da auf dem Schiff die wenigen Restplätze – wenn es denn überhaupt welche gibt – sehr schnell weg sind) oder sich alternativ einen Mietwagen zu ordern, der dann die notwendige Mobilität herstellt.

Die einzige Möglichkeit hier vor Ort wäre jetzt nur ein Shuttlebus, der alle 30 Minuten für 10 € nach Laknes fährt – dort gibt es dann wohl noch zwei, drei Geschäfte mehr … aber auch das hilft ja nicht wirklich weiter. Und so kann die Entscheidung für mich nur sein, in der Tat heute einen weiteren „Seetag“ einzulegen – und mich für das nächste Mal besser vorzubereiten. Der Plan, nach der Ausflugspräsentation eine Entscheidung zu treffen, ist hier definitiv der falsche gewesen.

Also beginne ich den Tag zunächst mal mit einem gemütlichen Frühstück. Und heute mal wieder im Rossini – ich bin ja nicht wirklich im Stress. Wobei ich bei direkter Abwägung für mich mehr und mehr zu dem Schluss komme, dass das Frühstück im Marktrestaurant mehr als eine Alternative darstellt. OK, die Bedienung am Tisch fehlt ebenso wie eine Latte – dafür ist die Auswahl natürlich bedeutend größer. Von daher bin ich froh, dass mir die Alternative des Frühstücks im Rossini zur Verfügung steht – es aber zum Glück kein „Muss“ ist.

Nach dem Frühstück ist es dann Zeit für den Landgang … ich gehe also mal kurz vom Schiff und werde gleich mit einem mit Maschinenpistole (oder ist es ein Maschinengewehr? Keine Ahnung.) bewaffneten Polizisten konfrontiert. Hoppla, auf was passt der denn auf? Hier gibt’s doch nicht nur nichts sondern eher gar nichts … Hm, muss ich nachher auf dem Schiff mal hinterfragen. Obwohl, passt ja eigentlich zu den Hinweisen in der AIDA Heute, dass in Norwegen aktuell mit terroristischen Anschlägen zu rechnen wäre – anscheinend ist da was in der Weltpolitik an mir vorbei gegangen …

Trotz allem verlasse ich das Hafengelände und erklimme den Hügel nebenan. Und habe von hier immerhin einen Blick auf die umliegende Landschaft, die ich dann auch fotografisch festhalte. Aber auch die erhöhte Aussicht ergibt keine neuen Erkenntnisse bezüglich der Möglichkeiten. Lediglich der Himmel gibt Anlass zur Hoffnung – immer mehr verziehen sich die Wolken und lassen blaue Farbtupfer durchschimmern. Von daher wird das dann ja zumindest noch der erwartete Sonnentag.

Ich gehe also zurück an Bord und schaue mal bei der Rezeption vorbei. Mal sehen, ob hier einer mehr weiß zum Thema „Anschlagsgefahr in Norwegen“. Und siehe da – man weiß mehr. Allerdings nicht das gleiche … Während die eine Rezeptionistin das Ganze auf den seinerzeitigen Amoklauf auf der Insel mit dem Feriendorf zurückführt („Seit dem sind die Norweger extrem vorsichtig.“) weiß ihre Kollegin, dass es aktuell wohl zur Abweisung syrischer Flüchtlinge gekommen ist und man danach entsprechende Terrordrohungen erhalten habe.

Ah, jetzt ja. Oder – wie auch immer. Mit AIDA werden die sicher nicht anreisen … von daher entspanne ich mich (War ich eigentlich angespannt? Oder ist das inzwischen nicht – leider – schon Routine überall auf der Welt?) und gehe in die AIDA Bar. Hier nehme ich meinen Stammplatz ein, trinke einen Cappu und nutze die Gelegenheit, dass ich mal wieder das norwegische Internet nutzen kann.

Wobei das nur von kurzer Dauer ist. Relativ schnell ist meine Verbindung unterbrochen. Oder anders: die Verbindung ist noch da, nur der Datentransfer ist unterbrochen. Das ist jetzt natürlich ärgerlich … gerade heute kann ich das ja nun gar nicht gebrauchen.

Ich nutze also die Alternativverbindung über einen DayPass der Telekom, um den 24/7-Support meines Providers KeepGo zu nutzen. Die bieten u.a. einen Onlinechat an, was natürlich die billigste und schnellste Lösung sein dürfte, um mein Problem zu schildern und – hoffentlich – abstellen zu lassen.

Und das klappt sogar richtig gut … nach den anfänglichen (wohl nicht zu vermeidenden Tests), ob ich meine Hardware richtig konfiguriert habe, mein Browser aktuell ist und ähnlicher (in meinem Fall überflüssiger) Tests mehr kommen wir zum Punkt – es muss am norwegischen Roamingpartner liegen. Und siehe da – daran liegt es auch. Mein Tageslimit von 500 MB wäre verbraucht. Was nach wenigen Minuten selbst mit HSDPA eher unwahrscheinlich ist.

Und doch scheint es so zu sein: mein Router hat wohl, da er eingeschaltet an der Steckdose hing, seit heute morgen um kurz nach 4.00 Uhr im Sekundentakt Verbindungen ins Internet auf- und wieder abgebaut – und die wurden jeweils mit einem halben Megabyte berechnet. Und so sind die 500 MB – praktisch ohne wirklichen Datentransfer – nach 1.000 dieser Pseudoverbindungen verbraucht gewesen. Gut zu wissen … und Notiz für mich selbst: Router nur bei Bedarf, guter Netzabdeckung und wirklicher Nutzung einschalten.

Und noch etwas ist gut: KeepGo hat meinen Zugang – trotz erreichtem Limit – wieder freischalten lassen, so dass ich jetzt da weitermachen kann, wo ich vorhin aufgehört habe. Das nenne ich mal einen tollen Service!

Das zeitlich inzwischen anstehende Mittagessen lasse ich auch heute wieder ausfallen sondern nutze stattdessen die freie Zeit jetzt in der Tat lieber für das erhoffte Sonnenbad. Der Himmel ist jetzt fast durchgängig blau, die Sonne scheint ungehindert mit rund 17°C und bei nur leichtem Wind kann man sich heute erstmals auf dieser Reise auch für längere Zeit auf das FKK-Deck legen. Und das auch, ohne von frierenden Mitreisenden schief angeguckt zu werden … 😉

Und auch heute bin ich nicht allein hier oben sondern teile die Fläche mit mehreren Mitreisenden – scheint also von daher nicht nur mir so zu gehen, dass heute der Sommer ausgerufen wird.

Ab 15.30 Uhr gesellen sich dann übrigens noch deutlich mehr Lebewesen zu uns: die umherfliegenden Möwen haben offensichtlich entdeckt, dass auf dem Deck unter uns die Kaffee- und Kuchenzeit begonnen hat – und das führt wie seinerzeit schon in Lerwick zu regem Flug-, Gleit- und Landebetrieb auf Deck 9 und 10. Und da kommt sie dann auch gleich wieder auf – die Erinnerung an „Die Vögel“ von Hitchcock.

Und obwohl ich mich hier oben normalerweise mit meiner Kamera zurückhalte, muss ich das rege Treiben dann heute doch mal im Bild festhalten. Glücklicherweise haben die um mich herum Liegenden nichts dagegen und so entsteht das eine oder andere nette Bild der überhaupt nicht scheuen Tiere.

Gegen 17.00 Uhr ziehen dann die ersten vorwitzigen Wolken vor die Sonne – und abrupt wird es auch deutlich frischer. Von daher passt es zeitlich gut, in den 5-nach-5-Aufguss zu wechseln, danach noch mal kurz die Abkühlung zu suchen und sich dann auf den Weg in Richtung des Abendessens zu machen.

Hier gibt es heute (erneut) „Bella Italia“ – da Italien ja aber nicht nur Pasta kennt, lassen sich durchaus noch andere leckere Alternativen finden. Und mit dem richtigen Pep Knoblauch schmeckt dann sogar eine Spinatsuppe richtig gut. Wobei – so ganz ohne Nudeln geht es dann doch nicht: so ein paar „Spaghetti aglio e olio“ müssen es dann doch sein. Zumal die mit etwas Chili aufgewertet werden – und damit so machen Mitreisenden vor eine echte Herausforderung stellen.

Und nachdem ich beim Abendessen heute mal wieder mit richtig netten Leuten zusammensitze, zieht sich das Ganze dann auch bis kurz vor den heutigen Theatertermin – den zweiten Auftritt unseres Gastkünstlers Thomas Nicolei. Und da er während des Essens mit seiner Familie am Nebentisch gesessen hat, haben wir ihm natürlich auch gleich versprochen, zu seiner Show zu kommen – was wir jetzt dann auch gern tun.

Und die heute gefällt mir richtig gut. Während bei der letzten ja der eine oder andere Witz aus dem letzten Jahrtausend dabei war, ist das Ganze heute frischer und aktueller. Und beinhaltet viele Parodien anderer Künstler … und die sind richtig gut. Von daher bin ich froh, hier gewesen zu sein – und mich erst danach wieder in der Kabine meinem Buch zu widmen.

Gegen Mitternacht ist dann heute erstmals seit einer guten Woche auch mal wieder so etwas wie Dunkelheit zu erkennen – naja, zumindest merkt man, dass die Sonne hinter dem Horizont tatsächlich verschwunden ist. Und auch erst gegen 4.00 Uhr wieder zum Vorschein kommen wird …

Mit dieser Erkenntnis verschwinde ich dann auch unter meiner Bettdecke – und schaue mal, wann ich wieder zum Vorschein kommen werde …

Weiter mit Tag 15: Seetag – auf dem Weg nach Bergen

28. Juli 2014: Tromsø (Norwegen)

Mangels Sonnenaufgang erwache ich natürlich erst wieder viel zu spät … als wir schon längst in Tromsø festgemacht haben. Verpasst habe ich aber offensichtlich nichts, außer Nebel und Regen ist vor der Tür nichts wesentliches festzustellen.

Einen Ausflug hatte ich ja auch nicht gebucht, da ich bei meinem Hurtigrutenbesuch vor sechs Jahren die wesentlichen Highlights von Tromsø bereits besichtigt habe und von daher heute eigentlich nur noch mal raus gegangen wäre, um mich ein bisschen zu bewegen.

Aber nicht bei diesem Wetter … und so starte ich erst einmal mit einem Frühstück, nachdem die Masse zu den Ausflugsbussen geströmt ist und genieße die Ruhe auf dem Schiff. Zeitlich bedingt wähle ich wieder das Calypso, da das nicht um 10.00 Uhr die Pforten schließt, so dass ich in Ruhe frühstücken kann. Und da hier im Hafen auch der Internetzugang über das norwegische Netz gut funktioniert, gibt es dazu dann auch die WELT Kompakt auf dem iPad zum Lesen (ich muss daran denken, mein Abo bei amazon zu kündigen, da übermorgen der kostenlose 14-tägige Testzeitraum ausläuft).

Und während ich inzwischen satt bin, Omelette, Brötchen und Obst im Harald sind, wechsle ich in die AIDA Bar, um dort in Ruhe die Zeitung zu lesen. Und werde überrascht: die Restaurantleiterin des Rossini sieht mich, erkennt mich und offeriert sofort eine Latte Macchiato. Wow – so stelle ich mir das vor …

Ein Blick aus dem Fenster bestätigt inzwischen den ersten Eindruck vom Wetter (der ja auch der Vorhersage entspricht) – Regen und Nebel über Tromsø. Und so entscheide ich jetzt spontan, dass ich keinen Spaziergang mache sondern den Tag heute einfach zum Seetag erkläre.

Ursprünglich war ja der Plan, zum Polaria zu laufen – das ist ein Informationszentrum zur Polarzone mit Aquarium. Eigentlich nett gemacht und informativ – aber keinen Regenspaziergang wert. Und das zweite Highlight wäre dann die Eismeerkathedrale gewesen – und die wäre sogar einen Spaziergang im Regen wert (wobei man dort natürlich auch mit dem Taxi oder dem Bus hinfahren könnte). Aber das macht natürlich nur dann Sinn, wenn man sie noch nicht gesehen hat … und somit scheidet das für mich heute auch aus.

Stattdessen hole ich mir die Bewegung im Schiff. Genauer gesagt auf Deck 9 im Fitnessbereich. Da ist es heute natürlich auch schön leer – lediglich eine Dame quält ein Laufband (oder andersrum). Und jetzt komme ich halt noch dazu und schaue mal, wie die Crosstrainer hier so funktionieren. Eine halbe Stunde bzw. 3,5 km laufe ich im Kreis … nicht überragend, aber immerhin besser als nichts.

Und gehe danach noch in die Ecke mit den Geräten, um mich noch ein halbes Stündchen dem Krafttraining zu widmen. Ich will ja nächste Woche im Studio nicht bei Null anfangen müssen. Wobei ich ziemlich erstaunt bin, so schlecht sieht das ja gar nicht aus … Das gleiche mache ich dann noch an den beiden kommenden Seetagen – dann sollte es zu Hause schon wieder passen.

Durchgeschwitzt ist jetzt aber erst einmal Entspannung angesagt. Also zunächst eine Aufwärmrunde in der Sauna und dann in den Whirlpool – da ist so ein bisschen Regen ja nicht wirklich störend. Dummerweise ist der – warum auch immer – gesperrt. Ärgerlich.

Also auf dem Rückweg in die Kabine mal an der Rezeption gefragt: „Davon wissen wir nichts.“ OK, hilft mir aber jetzt nicht weiter: „Vielleicht weiß ja jemand anderes was?“ Sie schaut leicht gequält, ruft aber trotzdem irgendwo an. Da weiß man aber auch nix. Also noch ein Versuch bei jemand anderem – und da weiß man immerhin, dass man den Pool gerade chlort. OK, wäre zwar nachvollziehbar, wobei ich hier aber eigentlich von einer kontinuierlichen Chlorbeimischung ausgegangen wäre …

Aber wie auch immer – jetzt weiß ich zwar warum ich nicht, aber noch nicht, wann ich wieder in den Pool kann. Und die Rezeption weiß es auch noch nicht – verspricht mir aber immerhin, einen Zettel an die Kabine zu hängen, wenn man es weiß. Damit brauche ich zumindest nicht alle 30 Minuten nachschauen gehen.

Von daher entscheide ich mich erst mal wieder für einen Aufenthalt an der AIDA Bar, um den Regentag wenigstens produktiv zu nutzen. Ich stelle ein paar Artikel auf generalalarm.de ein, schreibe weiter am aktuellen Reisebericht und tue auch mal wieder was Berufliches. Macht aber nichts, denn alles was jetzt erledigt ist, steht nächste Woche nicht mehr auf der Agenda.

Zurück auf meiner Kabine finde ich dann einen Zettel an der Tür – der Whirlpool steht „am späten Nachmittag“ wieder zur Verfügung. OK, ist zwar Interpretationssache, 16.30 Uhr könnte damit aber durchaus gemeint sein. Und dann könnte ich da noch mal rein, bevor es dann um 5 nach 5 zum Aufguss geht.

Nun, kann ich nicht – entweder ist noch nicht „später Nachmittag“ oder vielleicht auch schon „früher Abend“ – zumindest ist der Pool immer noch oder schon wieder gesperrt. Also gut, dann halt nur Aufguss. Und der ist heute mal richtig gut – mit Mandelduft (hatte ich auch noch nicht) wird uns hier ordentlich eingeheizt.

Und das passt ja gut zum Wetter vor dem Fenster – es regnet zwar nicht mehr, aber neblig und kühl ist es trotzdem noch. Von daher wird es Zeit, dass wir aus Tromsø auslaufen, um zu unserem nächsten Ziel, den Lofoten, bei hoffentlich besserem Wetter zu kommen.

Und meine Wetter App signalisiert in der Tat für morgen 16°C und Sonnenschein – da ist es ja fast schade, dass ich keinen Ausflug mehr buchen konnte. Aber vielleicht gibt es ja noch Restplätze? Da laufen ja genug Leute übers Schiff, die husten und niesen – vielleicht ist ja das eine oder andere Ticket zurückgegeben worden?

Ich schaue also mal bei den Scouts vorbei – und siehe da: es gibt tatsächlich noch einige Restplätze. Dummerweise nur bei dem Ganztagesausflug nach Å mit sieben Stunden Dauer. Und auch wenn sich das gut anhört, ist mir das doch eindeutig zu lang – zumal viel Zeit im Bus verbracht wird und für den Ausflug auch 130 € aufgerufen werden.

Von daher verzichte ich und finde mich mit einem weiteren „Seetag“ ab, da in Gravdal selbst wohl eher nichts los ist. Oder drücken wir es anders aus: „Gravdal“ heißt übersetzt „Grabtal“. Wenn das Wetter aber so kommt wie es avisiert ist, kann man den Tag ja auch einfach in der Sonne verbringen – das würde meinem Teint, der in den letzten zwei Wochen schon ein bisschen unter der fehlenden Sonne gelitten hat, sicherlich nicht schaden.

Aber noch ist ja heute … und von daher befasse ich mich mal mit dem Abendessen. Und das hat heute viele bekannte Namen – zumindest wenn man ab und zu mal bei IKEA vorbeischaut. Heute ist nämlich „Skandinavien“ das Thema im Marktrestaurant – und damit ist „Köttbullar“ genauso wie vertreten wie beispielsweise Elchschulter.

Und in diesem Zusammenhang lernen wir auch gleich einen neuen Typ Mitreisenden kennen – den Typ „Kenn ich nicht, ess‘ ich nicht.“ Das ist nämlich genau seine Aussage als er vor dem Schild mit der Elchschulter über dem braunen Fleisch steht. Jo, kenn ich auch nicht – und deshalb nehme ich mir davon und nutze die Gelegenheit, es kennen zu lernen (und es gut zu finden). Er wird dann wohl über Schnitzel mit Bratkartoffeln in seinem restlichen Leben nicht mehr rauskommen …

Und eine andere Mitreisende bringt mich sogar dazu, den Tisch zu wechseln – und das passiert nur ganz selten. Aber sie schafft das – sitzt sie doch hustend und schniefend am Tisch. Naja, eigentlich ist das eher so ein Auf-der-Tischplatte-hängen … und sie erklärt das auch gleich: „Wissen, Sie, ich bin total erkältet und habe 38,5°C Fieber …“

So jemand wollte ich ja schon immer genau neben mir beim Abendessen haben … ich weiß ja so schon nicht, ob es mir gelingt, den umherfliegenden Viren auszuweichen – aber wenn ich hier sitzenbleibe, ist das Thema ganz sicher durch. Ich wünsche einen guten Appetit und gute Besserung – und verschwinde … weit weg.

Bis ich dann um 21.30 Uhr wieder im Theater auftauche. Das Ding ist randvoll – aber in der ersten Reihe sind noch freie Plätze. Warum auch immer … normalerweise ist das nur so, wenn die Gefahr besteht, dass die Leute auf der Bühne die Leute vor der Bühne ins Programm mit einbeziehen – dann sitze ich auch lieber auf Deck 9 ganz hinten. Aber bei einer Wildwest-Show …?

Ich nehme also Platz und harre der Dinge, die da kommen mögen. „Go West“ heißt das etwa einstündige Programm, das uns jetzt geboten werden wird. Ich kenne es noch nicht – und bin begeistert. Eine Westernparodie mit viel Comedy und guter Musik … OK, es schadet nicht wenn man „Der Schuh des Manitu“ und „Brokeback Mountain“ gesehen hat – zumal die Show auch mit der einen oder anderen homoerotischen Einlage versehen ist. Oder warum sonst schwenken die Indianer Regenbogenfahnen während das Lied „Go West“ läuft … ab und zu merkt man dann halt doch, dass da Corny Littmann beim AIDA Entertainment seine Finger im Spiel hat. J

Traurig finde ich es dann nur, wenn ein älterer Herr seiner Frau zuflüstert, dass „das ja nun ja nicht sein müsse, dass man den Kindern solche „Merkwürdigkeiten“ zeigt. Am Ende glauben die tatsächlich noch, dass das ganz normal wäre.“ Ob ihm mal einer sagen sollte, dass das ganz normal ist …?

Wie auch immer – da ist vermutlich nichts mehr zu retten … von daher rette ich mich am Ende der Show in die AIDA Bar und suche mir einen Platz dicht an der Bühne. Hier startet nämlich gleich „Crew meets Band“ – die legendäre Veranstaltung, bei der Crewmitglieder ihre gesanglichen Leistungen zum Besten geben. Und wie immer ist das eines der Highlights der Reise – und man fragt sich unweigerlich, warum die Leute nicht alle im Show Ensemble arbeiten …

Rund 1 ½ Stunden vergehen jetzt hier wie im Flug – bevor ich dann den Abflug ins Bett mache. Und heute ist es vor dem Fenster auch mal wieder dunkel. Naja, zumindest nicht taghell, also irgend so etwas dazwischen – laut „AIDA Heute“ hatten wir immerhin kurz vor Mitternacht einen Sonnenuntergang.

Aber wir haben gegen 3.00 Uhr morgen früh auch schon wieder einen Sonnenaufgang – so weit kann die Sonne in der Zwischenzeit ja nicht weg sein. Also schauen wir mal – vermutlich wache ich dazu dann ja wieder automatisch auf.

Weiter mit Tag 14: Gravdal/Lofoten (Norwegen)

27. Juli 2014: Hammerfest (Norwegen)

Und so verpasse ich auch das Anlegen in Hammerfest. Erst die Durchsage des Kapitäns, dass er sein Werk vollendet habe und die Behörden das Schiff bereits freigegeben haben, holt mich aus den Träumen.

Es ist jetzt kurz vor 10 – also durchaus Zeit, mal übers Aufstehen nachzudenken. Naja, nicht nur nachzudenken, sondern es auch zu tun. Zumal es ja nur bis 11.00 Uhr Frühstück gibt (und das ist auch schon nur noch das „kleine Frühstück“ im Calpyso).

Dort stelle ich allerdings fest, dass ich nicht der einzige bin, der die anderen Frühstückszeiten ignoriert (oder verpasst) hat – das Calypso ist randvoll. Und so verwundert es auch nicht, dass das kleine Frühstück dann doch eher dem normalen ähnelt – zumindest bekomme ich alles das, was ich sonst auch frühstücke.

Das Schiff haben inzwischen vermutlich nur diejenigen verlassen, die heute einen Ausflug gebucht haben, alle anderen sitzen hier beim Frühstück zusammen. Und es werden irgendwie nicht viel weniger – diejenigen, die gehen, werden durch die ersetzt, die noch kommen. Und nur vereinzelt sieht man Leute individuell das Schiff verlassen.

Das ändert sich dann erst gegen 11.00 Uhr, als auch die letzte Frühstücksmöglichkeit ihre Pforten schließt. Und da es bis zum Mittagessen ja noch 1 ½ Stunden sind, kann man in der Zeit auch genauso gut mal schauen, was es in Hammerfest so zu sehen gibt.

Und das sind eigentlich nur zwei Sachen – zum einen die Meridiansäule und zum anderen der Eisbärenclub. OK, Kirchenfans würden wohl auch die beiden Kirchen noch erwähnen.

Und da die Sonne inzwischen Wolken und Nebel restlos verdrängt hat, entscheide auch ich mich für einen Spaziergang in Hammerfest. Da wir nicht direkt in der Innenstadt liegen (sofern man hier überhaupt von „Stadt“ sprechen kann) sondern an der gegenüberliegenden Hafenseite (die Anlegestelle in der Stadt wird aktuell von der Nordnorge, einem Schiff der Hurtigruten-Flotte belegt), steht mir jetzt ein gut 30-minütiger Spaziergang bevor.

OK, alternativ könnte man einen von AIDA eingesetzten Shuttlebus für die Strecke nutzen – da zum einen das Wetter aber so gut ist, dass ich mich inzwischen sogar von meiner Jacke getrennt habe und somit nur noch mein T-Shirt ausführe und zum anderen für das Ticket (Hin- und Rückfahrt) 10,00 € aufgerufen werden, bleibe ich bei meiner Spaziergang-Idee (wie übrigens die meisten anderen Passagiere auch).

Ich beginne dabei mit einem Abstecher zur Meridian-Säule, die nur fünf Minuten vom Schiff entfernt steht (das erklärt auch, warum ich die 2008 mit Hurtigruten nicht gesehen habe – da lagen wir halt auf der falschen Seite …). Sie wurde 1854 zur Erinnerung an die erste wissenschaftliche Vermessung der Welt aufgestellt – an ihrer Stelle lag einer der knapp 40 Messpunkte zwischen Norwegen und dem Schwarzen Meer. Und alle sind inzwischen Weltkulturerbe der UNESCO (wieder ein Haken mehr auf der Liste).

Von hier aus kann man dann entlang dem Hafen bis in die Innenstadt von Hammerfest laufen – ein schöner Spaziergang, der nebenbei auch noch tolle Fotomotive bietet. Sei es der Blick auf die Berge, das blau schimmernde klare Wasser oder dann eben auch die AIDAcara.

In Hammerfest angekommen fallen als erstes jedoch viele heruntergekommene Häuser in der Stadt auf, viele davon offensichtlich von ihren Bewohnern verlassen. Und das scheint auch eines der Probleme der Stadt zu sein – die Anzahl der Einwohner reduziert sich ständig, viele verlassen die Stadt, um in eine richtige Stadt mit entsprechender Infrastruktur zu ziehen bzw. kommen nur noch in den wenigen Sommermonaten hierher zurück.

Unabhängig davon gibt es hier aber dennoch eine zweite Sehenswürdigkeit. Wobei „Sehenswürdigkeit“ es eigentlich nicht ganz trifft – es handelt sich viel mehr um einen Verein. Nun sind Vereine in Norwegen zwar nicht so verbreitet wie in Deutschland (wo ja angabegemäß immer dann ein Verein gegründet wird, wenn sich sieben Personen – die Mindestzahl an Gründungsmitgliedern für einen Verein- zufällig treffen) – aber dennoch nicht so außergewöhnlich, dass man sie zur Sehenswürdigkeit machen würde.

Bei diesem hier ist das aber etwas anderes. Der „Isbjørnklubben“ (Eisbärenclub) ist vermutlich der bekannteste Verein der Welt. Er hat aktuell mehr als 250.000 (!) Mitglieder – und viele der AIDA-Passagiere sind es jetzt auch. Ganz im Sinne der Sendung mit der Maus: „Klingt unlogisch – ist aber so.“

Natürlich fragt man sich unweigerlich, warum Touristen, die sich nur wenige Stunden in Hammerfest aufhalten, Mitglied in einem Verein werden. Nun, das ist schnell erklärt – der Eisbärenclub ist ein Verein, der sich dem Schutz der Eisbären verschrieben hat und hierzu ein kleines Museum in Hammerfest betreibt. Und da haben nur Vereinsmitglieder Zutritt. Und das erklärt dann auch die hohe Zahl an Vereinseintritten.

Eine Mitglieds- oder Jahresgebühr fällt übrigens nicht an; es wird lediglich eine einmalige Aufnahmegebühr von 180 Kronen erhoben. Und dafür gibt es dann lebenslangen freien Eintritt ins Museum, eine Eisbärenclub-Anstecknadel und den Mitgliedsausweis (und wenn ich zu Hause daran gedacht hätte den mitzunehmen, hätte ich heute auch noch mal ins Museum gehen können). Ach ja, es gibt zukünftig dann auch jeweils eine Einladung zur jährlichen Jahreshauptversammlung Ende Januar – es ist aber wohl eher nicht zu vermuten, dass dazu alle Mitglieder anreisen … 😉

Und noch etwas muss man wissen: Mitglied werden kann nur, wer persönlich im Club vorstellig wird. Eine Vertretung ist dabei ebenso wenig zulässig wie ein Beitritt über das Internet – und das macht die Mitgliedschaft dann halt doch zu etwas Besonderem (so hört man beispielsweise, dass Elvis Presley gern Mitglied geworden wäre, man ihm das aber immer verweigert habe, da er niemals persönlich in Hammerfest gewesen sei).

So, und da ich mangels Mitgliedsausweis sowieso nicht reinkomme (und im Prinzip ja eigentlich auch weiß, was ich zu sehen bekommen würde), mache ich mich – nachdem ich noch ein paar schöne Fotos von AIDA im Hafen machen konnte – auf den Rückweg zum Schiff.

Das Wetter ist nach wie vor gnädig mit uns – ein T-Shirt reicht heute in jedem Fall. Wobei ich auf dem Pooldeck auf eine ältere Dame getroffen bin, die ihrer Enkelin eine dicke Jacke verordnet hat – „weil wir hier in Norwegen sind“. Da kommt es also offensichtlich nicht auf die Temperatur sondern auf den Ort an. Auch eine interessante Theorie – wobei ich mal nicht denke, dass sie zu Hause bei knapp 20°C eine Winterjacke anziehen muss …

Naja, wie auch immer – ich genieße das Wetter und den kleinen Spaziergang zurück zum Schiff. Und bin froh, nicht den Shuttlebus genommen zu haben – und zwar nicht wegen der 10 € sondern einfach wegen dem schönen Wetter.

Das nutze ich dann übrigens auch gleich auf dem Schiff weiter aus. Ich bringe kurz meine Sachen zurück auf die Kabine, esse noch schnell einen Teller „Männerobst“ im Calypso (das sind normale Früchte, die hier allerdings bereits in mundgerechte Stücke geschnitten sind – und dann schmeckt so was auch) und mache mich dann auf den Weg auf das FKK-Deck in die Sonne.

Dieses Mal bin ich auch nicht der erste hier oben (sondern der zweite) – und bis die Sonne hier nachher von Wolken verdeckt werden wird, werden wir auch schon zu fünft sein. Was im Übrigen diejenigen verwirrt, die in den letzten Tagen dieses Deck – mangels Nutzung als Nacktbereich – als Spazierweg genutzt haben … die meisten kehren heute relativ schnell wieder um. Und mit ein bisschen Glück bleibt das – wetterbedingt – dann jetzt ja auch so …

Nach rund zwei Stunden ist dann aber schon wieder alles vorbei. Einige vorwitzige Wolken ziehen auf – und zwar genau da, wo aktuell die Sonne ist. Mit dem Ergebnis, dass es dann doch etwas frisch wird. Und das ist dann auch der Punkt, an dem ich noch einen Saunagang mache (vielleicht schaffe ich es ja doch ohne Erkältung) und mich dann in die AIDA Bar zurückziehe, um ein bisschen was auf generalalarm.de einzustellen – hier hat man einfach den besten Internetempfang (und zu Trinken gibt es auch etwas).

Pünktlich mit dem Ablegen verschlechtert sich dann aber auch die Internetverbindung rapide, so dass ich die Gelegenheit nutze, mal im Marktrestaurant vorbeizuschauen – da ist heute nämlich „Asien“ angesagt.

Und da Japan ja nun auch in Asien liegt und Sushi aus Japan kommt, könnte es ja sein, dass … und genau so ist es auch. Eine große Platte Sushi erwartet uns. OK, nachdem ich dran war, ist die Platte zwar immer noch groß, aber nicht mehr so wirklich voll 😉 Schön wäre es jetzt nur, wenn es dazu auch Stäbchen geben würde – Sushi ist mit Messer und Gabel ja schon irgendwie schwierig zu essen …

Aber es gibt ja nicht nur Sushi – sondern alle möglichen Varianten von asiatischem Essen … und damit kann ich mich richtig gut anfreunden. Und natürlich esse ich wieder zu viel. Und auch wenn ich versuche, den Reis liegen zu lassen – mit Low Carb klappt das heute irgendwie nur begrenzt … Naja, ich lasse dafür das Eis weg und esse stattdessen noch mal einen Teller Männerobst.

Kurz bevor ich gehen will, setzt sich allerdings noch eine Dame an den Nebentisch. Und von der muss ich noch berichten. Es ist jetzt nämlich 19.25 Uhr – also fünf Minuten vor Ende der ersten Sitzung (heißt auf AIDA übrigens „Genießerzeit“). Und irgendwie will sie wohl nicht auf die zweite warten – was zur Folge hat, dass sie nur einen Gang ans Buffet hat. Und den absolviert sie mit einem Dessertschälchen. Und da ist dann alles drin, was sie am Buffet so gesehen hat … das Teil ist übervoll und beinhaltet so in etwa alles das, was ich auch gegessen habe: Reis, Ente, Sushi, Rindfleischsalat, Glasnudeln, … selbst Wasabi hat sie noch an den Rand geschmiert. Unglaublich … wobei: sie ist immerhin mit einer Gabel – ich hatte befürchtet, sie verwechselt das mit einem Hundenapf …

Ich gebe zu, das Elend möchte ich mir nicht länger anschauen – und so mache ich mich auf den Weg in die AIDA Bar … immer noch rätselnd, was so jemandem im Kopf vorgeht …

Unterwegs nehme ich noch rasch zwei bestellte Fotos am Fotoshop mit und genehmige mir dann noch einen Ramazotti Sour (den gibt es als Mixgetränk gegen einen Cocktailgutschein, einen normalen Ramazotti nicht) und einen Cappuccino, bevor ich mich dann entschließe, noch ein bisschen auf der Kabine zu Lesen.

Im Theater gibt es heute den dritten Teil des Terri Green Projects (das ist die Soul-Band) – und die sind zwar sicherlich gut, aber nicht unbedingt mein Geschmack. Da bin ich allerdings nicht der Einzige – und so verschiebt sich der Leseabend noch ein bisschen. Ich treffe nämlich noch auf zwei Mitreisende, mit denen ich zusammen die Ausflüge in Reykjavik und Akureyri gemacht habe – somit verlängert sich mein Aufenthalt in der AIDA Bar doch noch etwas … 😉

Gegen 23.00 Uhr komme ich dann aber endlich in meine Kabine, stelle fest, dass die Sonne auch heute wieder nicht untergeht (ab morgen dann aber wieder), lese noch ein paar Kapitel und schlafe dann beim zweiten Teil des Reisefilms ein, der seit heute Abend auf Kanal 2 vorgestellt wird.

Weiter mit Tag 13: Tromsø (Norwegen)

26. Juli 2014: Honningsvåg / Nordkap (Norwegen)

Und bei einem Blick auf die Uhr stelle ich fest, dass wir bereits 9.00 Uhr haben – also Zeit, um sich mal dem Frühstück zu widmen. Ich setze also kurz das Bad unter Wasser (ist beim Duschen baulich bedingt nicht ganz zu verhindern) und gehe aufgrund der späten Uhrzeit wieder ins Marktrestaurant.

Und noch bevor ich mich mit dem Essen befassen kann, ertönt die Durchsage von der Brücke, dass auf Steuerbord ein Wal zu sehen wäre. Ich rette mich noch an einen freien Tisch bevor die Meute losstürzt. Nach kurzer Unsicherheit, wo denn nun Steuerbord sei, hat die Masse aber die richtige Seite gefunden – und mehr oder weniger alle im Restaurant stürzen an die Fenster auf der rechten Seite.

Glücklicherweise wissen wir Dank vieler nautischer Fragestunden, dass die Verlagerung aller Passagiere auf eine Seite keine Auswirkungen auf die Neigung des Schiffs hat, so dass auf den Generalalarm verzichtet werden kann. Und in der Tat – da schwimmt wohl in der Tat ein Wal. Allerdings wohl ziemlich unspektakulär – er springt nicht, er schlägt nicht mit der Schwanzflosse und er stößt auch keine Wasserfontänen aus seinem Loch. Und so beruhigt sich die Situation relativ schnell wieder.

Und so gibt es dann für mich – neben dem obligatorischen Omelette – noch ein bisschen Lachs, Fleischsalat, Käse und Joghurt, bevor ich um 10.00 Uhr zur Ausflugspräsentation über Gravdal auf den Lofoten gehe. Und wie immer erfahre, dass auch diese Ausflüge – mit Ausnahme der Bikingausflüge – alle wieder mal ausgebucht sind. Hm, hier hatte ich extra keinen gebucht, da ich nicht so sicher war, welcher der richtige wäre. Oder ob ein Ausflug hier überhaupt Sinn macht.

OK, diese Entscheidung hat sich jetzt erübrigt. Und die Ergänzung der Scouts, dass man ohne Ausflug hier eigentlich gar nicht erst von Bord gehen muss, da es hier nichts gibt, was man fußläufig erreichen könnte, wird dann wohl zu einem Seetag führen. Aber gut, so ein ruhiger Tag an Bord ist ja auch nicht so schlimm (ich denke da an mein Buch) – zumal ich ja auf den Lofoten durch meine Reise mit Hurtigruten schon ziemlich viel Natur gesehen habe.

Ich nehme das Ganze daher nur zum Anlass, mal zu schauen, ob in den Folgehäfen noch potenzielle Ausflüge vorhanden sind, die ich ggf. mal prophylaktisch buchen sollte – stornieren kann ich sie nach den jeweiligen Präsentationen ja immer noch.

Und so finde ich in Bergen noch zwei Ausflüge, die nicht in der Ausflugsbroschüre standen und die auch im Vorfeld nicht über MyAIDA buchbar waren – zum einen „Bergen auf eigene Faust“ und zum anderen einen „Helikopterflug über Bergen“.

Und während „Bergen auf eigene Faust“ eigentlich kein Ausflug ist sondern nur die Aushändigung eines Stadtplans, eines Tickets für die Standseilbahn auf den Floyen und ein Gutschein für ein Fischbrötchen auf dem Fischmarkt, ist der Helikopterflug natürlich schon was Besonderes.

Ich bekomme einige Bilder des letzten Rundflugs aus der Ausflugspräsentation gezeigt und entscheide mich spontan für den Flug. Zum einen fliege ich ja ganz gern mit dem Hubschrauber und zum anderen gibt es hier nur Fensterplätze (und nicht wie in New York auch Mittelplätze ohne Aussicht). Jetzt muss nur noch die Mindestteilnehmerzahl erreicht werden – und dazu fehlt noch ein Mitreisender. Hoffentlich findet sich der noch …

Ich buche also mal beide Ausflüge, da „Bergen auf eigene Faust“ eigentlich genau das darstellt, was ich mir für den Tag vorgenommen habe – ich kann mir jetzt nur das Anstehen für ein Seilbahnticket sparen. Und einen Fischweck hätte ich dort sowieso gegessen. Von daher wähle ich die bequeme Variante – und zeitlich bin ich damit vollkommen unabhängig, kann das also um den Heliflug herum machen. Jetzt müssen wir zur Abwechslung nur noch einen Sonnentag in Europas regnerischster Stadt haben – bislang hatte ich bei meinen Besuchen dort ja immer Regen …

Doch bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit – und so gehe ich zunächst in die AIDA Bar, schreibe ein bisschen was zu dieser Reise auf und verbringe dann den Rest des Tages mit Lesen – teilweise im Saunabereich, natürlich unterbrochen mit dem einen oder anderen Saunagang und teilweise in der Kabine, unterbrochen durch ein kleines Nickerchen. Immerhin fällt die kommende Nacht ja dem Nordkap mehr oder weniger zum Opfer.

Ach ja, was ich die ganze Zeit ja schon mal erwähnen wollte … die Reise hat ja insgesamt sieben Seetage, zwar gut verteilt, aber dennoch genügend Zeit, in der man nicht unbedingt das Schiff verlassen kann (gut, können kann man schon, wird aber allgemein nicht empfohlen). Bei einer Transatlantikreise mit einigermaßen gutem Wetter ist das ja kein Thema – da legt man sich einfach ein paar Tage in die Sonne. Oder auch in Südostasien oder in Südamerika. Aber hier – bei 10°C? Eher nicht.

Ab und zu sieht man zwar den einen oder anderen Hartgesottenen in Decken gehüllt oder im Schlafsack auf einer Liege an Deck – aber das ist ja nicht die Masse.

Nun, viele verbringen die Zeit offensichtlich in den Restaurants – da muss man in den wenigen Minuten zwischen den Mahlzeiten zwar kurzzeitig mal raus, wenn man sich aber ein Plätzchen vor dem Calypso aussucht, kann man da eigentlich von 6.00 Uhr bis Mitternacht sitzen bleiben. Und bekommt ab 6.00 Uhr das Frühaufsteher-Frühstück, von 7.00 – 10.00 Uhr normales Frühstück, danach noch eine Stunde Spätaufsteher-Frühstück. Ab 12.30 Uhr gibt es dann Mittagessen bis 14.30 Uhr, das dann ab 15.30 Uhr für eine Stunde von Kaffee und Kuchen abgelöst wird. Parallel dazu gibt es natürlich ununterbrochen Pizza und Sandwiches. Ab 18.30 Uhr wird dann ja auch schon wieder das Abendessen serviert – und wer um 21.30 Uhr noch nicht satt ist, hat dann bis Mitternacht ja weiterhin die Möglichkeit, mit Pizza, Bagels und Salat weiterzumachen.

Andere sind in der AIDA Bar anzutreffen – entweder beim Lesen oder beim Spielen. Und dann gibt es natürlich noch die Angebote des Clubteams, des Lektors und der „Edutainer“ (da kann man etwas Lernen ohne dass man es Workshop nennen müsste) an Bord. Deren Angebot ist gerade an Seetagen natürlich vielfältig: Vorträge über unser Zielgebiet (heute über die Lofoten und das Nordkap), das Erlernen von Maltechniken, das Verstehen von (Selbst)hypnosetechniken, der Kartenspieltreff, der Tanzkurs (heute Foxtrott), Fotoworkshops, Volleyball-, Dart- und Shuffleboard-Treffs und vieles mehr. Dazu natürlich noch die Sportkurse wie Bauch, Beine, Po und ähnliche Dinge, die aus der Ferne betrachtet eigentlich immer irgendwie witzig aussehen … 😉

Also von daher: Langeweile muss man hier nicht unbedingt haben – oder nur dann, wenn man das wirklich will.

Ich habe mich beispielsweise entschieden, mir jetzt um 16.00 Uhr den Vortrag unseres Bordlektors zum Nordkap mal anzuhören – das gibt sicherlich interessante Einblicke in das, was uns dann heute gegen Mitternacht erwartet. OK, parallel hätte es jetzt in der Tat Bauch, Beine, Po gegeben – aber das habe ich ja schon alles … von daher gebe ich dann dem Lektor doch den Vorzug … 😉

Und das ist die richtige Entscheidung. Wir erfahren nicht nur viel zum geschichtlichen Hintergrund sondern auch viel zum Ablauf unserer Ausflüge zum Nordkap in der heutigen Nacht. Und dass wir gerade noch rechtzeitig kommen, um die Mitternachtssonne zu erleben – in vier, fünf Tagen ist diese Zeit dann vorbei und die Sonne wird den Horizont nicht nur touchieren, um dann sofort wieder am Himmel zu erscheinen sondern zumindest in Teilen versinken. Jetzt können wir nur hoffen, dass das Wetter heute Nacht stimmt.

Beim Abendessen entscheide ich mich heute mal für die zweite Schicht, da gegen 19.15 Uhr die Passage des Nordkap-Felsens geplant ist – und da will ich natürlich an Deck sein. Bin ich auch – aber das ist wohl ein Satz mit X. Dichter Nebel umhüllt die Cara, im Minutenabstand gibt der Kapitän Signal mit dem Typhon – und zu sehen gibt es: nichts.

Gegen 19.30 Uhr gebe ich auf – ich öffne die Tür, um wieder ins Schiff zu gehen, da passiert es: innerhalb von noch nicht mal einer Minute verzieht sich der Nebel mehr oder weniger komplett und gibt den Blick frei auf den Nordkap-Felsen. Sogar die Weltkugel ist zu erkennen. Unglaublich, wie schnell sich das Wetter hier ändern kann – da stimmt sogar die Aussage „von einer Minute auf die andere“.

Dann dauert es übrigens etwa eine weitere Minute – dann hat jeder die Information unseres Lektors über die Bordlautsprecher verarbeitet, dass der Felsen doch zu sehen ist. Und irgendwie sind jetzt alle 1.200 Passagiere auf Steuerbord. Die einen noch im Restaurant, die anderen auf Deck 6 und der Rest auf dem Oberdeck.

Ich habe meine Bilder im Kasten – und mache mich langsam auf den Weg zum Marktrestaurant. Da beginnt in 10 Minuten ja die zweite Sitzung. Und das Thema „Portugal“ passt auch gut. Und so gibt es heute im wesentlichen mal Fleisch, Fisch, Gemüse und Salat – irgendwann muss ich ja mal wieder auf Low Carb umsteigen, damit das hier nicht ganz aus dem Ruder läuft …

Die Magie-Show unseres Gastkünstlers Peter Valence muss dafür heute halt leider ausfallen – da die aber bedingt durch unseren späteren Landaufenthalt in Honningsvåg bereits um 20.30 Uhr beginnt, passt das nicht ganz zum Abendessen. Aber gut, alles kann man ja nicht haben.

Und so verfolge ich nach dem Essen das Einlaufen in Honningsvåg und packe schon mal meinen Rucksack für den Ausflug zum Nordkap (meine Abfahrtszeit ist um 23.45 Uhr), damit da nachher nichts vergessen geht.

Leider verdichtet sich der Nebel aktuell wieder – so wirklich was ist nicht zu sehen. Es bleibt halt nur die Hoffnung, dass wir nachher am Nordkap über den Wolken sind und dort eine fantastische Sicht haben – aller Wahrscheinlichkeit und Erfahrung nach ist das aber in der Tat mehr Hoffnung als Realismus.

Und dennoch treffen wir uns um 23.45 Uhr vor dem Schiff auf der Pier. Wir – das sind die Passagiere für ungefähr zehn Reisebusse, die jetzt zum Nordkap aufbrechen. Und die kommen von überall aus Skandinavien – aus Norwegen, aber auch aus Schweden und Dänemark. Wir müssen uns halt immer vor Augen halten, dass Honningsvåg mal gerade 3.000 Einwohner hat und sich der Tourismus (von Hurtigruten mal abgesehen) eigentlich nur im Sommer abspielt – da kann man hier nicht ganzjährig zig Busse und Busfahrer vorhalten.

Inzwischen werden die Passagiere, die das Schiff auf Deck 6 über die „Hühnerleiter“ ausspuckt, wie von einem großen Staubsauger von den Bussen wieder aufgesogen – und so geht es dann auch wenige Minuten später schon los in Richtung Nordkap-Felsen. Eine Kontrolle der Teilnehmer findet nur insoweit statt, als dass der erste Abschnitt des Ausflugstickets beim Besteigen des Busses eingesammelt wird.

Begleitet werden wir von einer Betreuerin des Kids&Teens-Club – heute sind hier alle eingesetzt, die irgendwie betreuen können. Und so erfahren wir bereits unterwegs, wie das Ganze dann ablaufen wird: nach dem Ausstieg haben wir rund 90 Minuten Zeit, den Felsen, das Monument und die Nordkaphalle anzuschauen. Und je nach Wetter sollte man dann dort halt seine Prioritäten setzen …

Nach 1 ½ Stunden werden wir dann wieder da aufgesammelt, wo wir ausgestiegen sind – und unter Vorlage des zweiten Ticketabschnitts auch wieder mit zum Schiff genommen.

Im Bus hat man übrigens das Gefühl, in einem Lazarett zu sein – in fast jeder Reihe hustet oder schnieft einer … und während man bei dem einen oder anderen darauf verweisen könnte, dass sich das bessert, wenn man das Rauchen sein lassen würde, merkt man vielen anderen – gerade den mit den parallel tropfenden Nasen – durchaus an, dass hier eine massive Erkältung zugeschlagen hat. Und von daher befürchte ich jetzt mal das Schlimmste und beneide die Japaner, die ja immer einen Mundschutz im Gesicht haben – den hätte ich jetzt auch gern. Denn eigentlich würde ich die letzte Woche dieser Reise noch gesund verbringen wollen – ob das bei den aktuell in Umlauf gesetzten Viren allerdings klappt, muss ich wohl mal abwarten.

Parallel zu meinen Überlegungen schraubt sich unser Bus die Serpentinen der Nordkapstraße immer weiter nach oben, wobei der Nebel immer schlimmer wird. Zum Schluss ist außer einer weißen Wand rund um den Bus nichts mehr zu sehen – wir befürchten das Schlimmste.

Und so ähnlich kommt es dann auch. Beim Verlassen des Busses ist zwar das Nordkapmonument, also die berühmte Weltkugel, zu sehen – mehr aber auch nicht. Die Mitternachtssonne, die in etwa einer halben Stunde den Horizont kurz berühren sollte, macht dies leider ohne uns. Es ist zwar taghell hier (OK, so hell wie es halt ist, wenn es neblig um einen herum ist), aber Sonnenschein ist nicht wirklich erkennbar.

Und so beschränken wir uns zunächst mal auf die Weltkugel. Natürlich will jeder ein Foto haben, auf dem sowohl die Kugel als auch man selbst oder die Familie oder Teile davon zu sehen sind. Was zur Folge hat, dass diejenigen, die gern die Weltkugel ohne fremde Menschen sehen wollen, zunächst mal scheitern. Und es dauert auch fast eine Dreiviertelstunde, bis der letzte fotografiert ist und die Kugel für wenige Sekunden ohne Menschen davor abgelichtet werden kann.

Wenn jetzt im Hintergrund noch die Sonne scheinen würde, wäre es hier halt noch spektakulärer – aber das wäre wohl auch zu viel des Guten gewesen. Habe ich doch 2008 bei meiner Reise mit Hurtigruten schon gelernt, dass es solche Tage maximal fünf Mal im Jahr geben würde – und damals hatte ich ja einen davon erwischt. Und da ich damals im Winter unterwegs war, wäre jetzt natürlich ein entsprechendes Bild im Sommer der Traum schlechthin – aber gut, so gibt es halt einen Grund, da irgendwann noch einmal hinzufahren.

Inzwischen wird es hier auch langsam ein bisschen zugig – und während der Norwegerpulli die Kälte vom Körper noch gut abhält, fangen die Finger und die Ohren an, um Wärme zu betteln. Und da es hier ja sowieso nichts mehr zu sehen gibt, gehe ich in die Nordkaphalle, schaue bei der dortigen Post vorbei und verschicke mal noch schnell fünf Postkarten von hier – versehen mit dem Nordkapstempel, den es natürlich nur hier gibt.

Die restliche Zeit bis zur Abfahrt verbringe ich dann im Keller der Halle – hier wird regelmäßig ein Film über das Nordkap gezeigt. Und der beinhaltet natürlich auch alles das, was wir jetzt gern gesehen hätten, aktuell aber nicht zu sehen bekommen.

Dafür verstärkt sich der Nebel weiter … was insbesondere für diejenigen schade ist, die in der zweiten Runde um 1.00 Uhr am Schiff abgefahren sind – aktuell ist die Weltkugel von der Nordkaphalle aus schon nicht mehr zu sehen …

Von daher haben wir Glück gehabt, dass wir den früheren Ausflug hatten – aber das ist natürlich nicht vorhersehbar, das hätte auch ganz anders kommen können. Und während die einen jetzt im Nebel stochern, besteigen wir wieder die Busse, um zurück zum Schiff zu kommen. Wobei das jetzt irgendwie nicht mehr so generalstabsmäßig abläuft wie bei der Hinfahrt – es herrscht ein ziemliches Chaos, wer da jetzt wo einsteigt, wer da den zweiten Ticketabschnitt einsammelt und wann die Bordkarten kontrolliert werden.

Und trotzdem sind irgendwann die Busse voll – und wir auf dem Weg zurück zum Schiff. Und wenn schon auf der Hinfahrt nicht viel zu sehen war, ist auf der Rückfahrt schon gar nichts mehr zu erkennen. Zumindest bis wir im Hafen ankommen – da erwartet uns dann teilweise sogar ein Stück blauer Himmel. Und da es inzwischen kurz vor 3.00 Uhr ist, führt uns das wieder vor Augen, wie es sein muss, wenn rund drei Monate lang 24 Stunden Tag ist und es nicht dunkel wird.

Und so mutet die Antwort auf die Frage nach dem nächsten Sonnenuntergang auch merkwürdig an – sie lautet nämlich: „Im August“. Und das erleben wir auf dieser Reise nicht mehr – zumindest nicht hier oben. Ab übermorgen sind wir dann unterhalb des Polarkreises soweit südlich, dass wir auch wieder mit – allerdings kurzen – Tag-/Nacht-Wechseln konfrontiert werden.

Noch sind wir aber hier – und so schadet es sicher auch nicht, nach Betreten des Schiffs (inzwischen übrigens auf Deck 3, da scheint das Wasser zwischenzeitlich also gestiegen zu sein) in der AIDA Bar vorbeizuschauen und einen Teller Kartoffelsuppe zu essen. Aber gut, Schlaf wird ja sowieso überbewertet … 😉

Und trotzdem bin ich dann kurz vor vier Uhr im Bett – denn morgen (oder besser nachher) legen wir ja bereits um 10.00 Uhr in Hammerfest an, nachdem wir kurz nach vier Uhr Honningsvåg verlassen werden). Ich habe zwar keinen Ausflug gebucht (worum mich viele der anderen in der AIDA Bar beneiden, die gerade feststellen, dass sie in knapp fünf Stunden schon fix und fertig – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – am Ausflugstreffpunkt stehen müssen), will aber in Hammerfest trotzdem vom Schiff gehen, um mir zumindest mal die Meridiansäule anzusehen und ein paar Fotos vom Schiff zu machen (das hier voraussichtlich gegenüber der Stadt anlegen wird, da der Anleger in der Stadt für die Hurtigruten-Schiffe reserviert ist).

Von daher merke ich gerade noch wie die AIDAcara jetzt in Honningsvåg ablegt – und entschwinde dann ins Reich der Träume … trotz blauem Himmel vor dem Fenster.

Weiter mit Tag 12: Hammerfest (Norwegen)

 
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